Kurz vor der UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya schlägt das UN-Flüchtlingshilfswerk Alarm: Fast 90 Millionen zwangsweise Vertriebene – rund drei von vier weltweit – leben in Ländern mit hoher bis extremer Klimagefährdung. Dürre, Hochwasser und Hitze treffen demnach genau jene Gemeinschaften, die bereits vor Krieg, Gewalt oder Verfolgung geflohen sind und oft kaum Mittel zur Anpassung haben. Für Millionen sei der Klimawandel kein fernes Szenario, sondern zerstöre Unterkünfte und Lebensgrundlagen hier und jetzt.
Der Bericht „No Escape III“ verknüpft Statistik mit Stimmen aus betroffenen Lagern und Rückkehrgebieten. Mehr als zwei Drittel der Flüchtlinge, die in der ersten Jahreshälfte 2026 heimkehrten, gingen in Staaten mit starker Klimavulnerabilität zurück. In Syrien, wo zuletzt fast vier Millionen Menschen zurückgekehrt sind, gefährden sinkende Grundwasserstände und Schocks wie das Euphrat-Hochwasser vom Mai den Wiederaufbau – Tausende wurden erneut vertrieben. Bis 2050 könnte jedes dritte Flüchtlingslager südlich der Sahara jährlich mindestens hundert Tage gefährlicher Hitze erleben; einzelne Standorte in Äthiopien sogar über zweihundert.
Wetterextreme treiben zudem Binnenflucht an: Über 255 Millionen interne Verlagerungen durch Katastrophen in zehn Jahren entsprechen etwa 70.000 Bewegungen pro Tag. Für Ostafrika warnt das UNHCR vor El-Niño-Hochwassern, die bis Jahresende bis zu drei Millionen Menschen in Somalia, Kenia, Südsudan und Uganda verdrängen könnten. Gleichzeitig erreichen fragile und konfliktbetroffene Staaten nur etwa zehn Prozent der globalen Klimafinanzierung – obwohl dort besonders viele Klima-exponierte Vertriebene leben.
Assistent-Hochkommissar Antón Leis García spricht von einer doppelten Ungerechtigkeit: Wer am wenigsten zum Klimawandel beigetragen hat, stehe an seiner Frontlinie. In Antalya will das UNHCR Staaten und Finanzierer drängen, Vertriebene und Aufnahmegemeinden fest in nationale Klimapläne und langfristige Anpassungsinvestitionen einzubinden – von Solarwasseranlagen in der Sahelzone bis zu klimaresilienter Landwirtschaft und Mangroven-Wiederherstellung. Gastgeber Türkei, selbst großes Aufnahmeland, soll die Schnittstelle von Flucht und Klima sichtbar machen.
