Zwei Tage nach der Parlamentswahl in Israel hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ein Signal in Richtung Jerusalem gesendet. Bei einem Besuch in Zypern sagte der 90-Jährige, die Palästinenser seien bereit, mit der nächsten israelischen Regierung über Frieden zu reden, sobald diese gebildet sei. Als Helfer wünscht er sich ausgerechnet den kleinen Gastgeber.

Abbas traf am Donnerstag den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides im Präsidentenpalast in Nikosia und sprach anschließend bei einem Arbeitsessen der beiden Delegationen. Zypern pflege ausgezeichnete Beziehungen zu beiden Seiten, betonte er über einen Dolmetscher. Daher könne die Insel eine Vermittlerrolle übernehmen. Grundlage einer Lösung müssten das Völkerrecht und die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sein.

Der Palästinenserführer erinnerte daran, dass Zypern den Staat Palästina schon 1988 anerkannt habe, und bedankte sich für humanitäre wie politische Unterstützung. Er schlug auch versöhnliche Töne an: Man sorge sich ebenso um die Sicherheit der Israelis und wolle keine militärischen Konfrontationen. Gleichzeitig verteidigte er „friedlichen Volkswiderstand“ gegen die Verletzung palästinensischer Rechte und sprach vom großen Leid im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem.

Christodoulides sagte zu, jede Rolle zu übernehmen, die den gemeinsamen Zielen diene. Er verwies auf die Hilfslieferungen seines Landes und auf die Zusammenarbeit mit palästinensischen Stellen etwa im Ausbildungszentrum CYCLOPS in Larnaka. Eine konkrete Vermittlungsinitiative wurde allerdings nicht verkündet. Für Nikosia wäre eine solche Rolle auch ein Weg, das eigene Gewicht in der EU-Nahostpolitik zu vergrößern.

Ob Abbas überhaupt einen Gesprächspartner bekommt, ist offen. In Israel wird noch ausgezählt, danach dürften lange Koalitionsverhandlungen folgen. Bemerkenswert ist auch der Rahmen des Auftritts: Die USA verweigern Abbas seit zwei Jahren ein Visum für die UN-Generalversammlung in New York.

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