Seoul hatte die Hand ausgestreckt, Pjöngjang antwortete mit Raketen. Am Donnerstagmittag startete Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs etwa zehn bis zwölf Kurzstreckenraketen in Richtung Japanisches Meer, das in Korea Ostmeer heißt. Abgefeuert wurden sie gegen 12.30 Uhr Ortszeit aus der Gegend um die Küstenstadt Wonsan, jede flog ungefähr 250 Kilometer weit.

Laut einem Militärvertreter, den die Zeitung Korea Herald zitiert, kamen dabei unterschiedliche Startsysteme zum Einsatz, darunter Mehrfachraketenwerfer im Kaliber 600 Millimeter. Deren Geschosse stufen Südkorea und die USA als ballistische Raketen ein. Japans Verteidigungsministerium meldete, die Flugkörper seien außerhalb der japanischen Wirtschaftszone ins Wasser gestürzt. Seoul, Washington und Tokio tauschten Daten aus und werten die Flugbahnen gemeinsam aus.

Es ist bereits der 17. Start ballistischer Raketen in diesem Jahr und der erste seit dem 12. Oktober. Brisant ist vor allem der Zeitpunkt. Seit dem 21. September schwelt ein Streit über eine Minenexplosion in der entmilitarisierten Zone, bei der drei südkoreanische Soldaten verletzt wurden. Eine gemeinsame Untersuchung Südkoreas und der Vereinten Nationen kam zu dem Schluss, der Norden habe die Minen gelegt. Pjöngjang bestreitet das und spricht in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat von einer Inszenierung.

Vor knapp einer Woche schlug Südkorea Militärgespräche vor, um die Kommunikationskanäle wiederherzustellen. Die Nachrichtenagentur Yonhap wertet die Starts als kühle Absage an dieses Angebot. Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, hatte Seouls Forderung nach einer Entschuldigung zuvor als „verabscheuungswürdig“ bezeichnet und angebotene Medizintechnik zurückgewiesen.

Zusätzliche Spannung bringt die Grenze selbst: Der Norden scheint dort Propagandalautsprecher zu testen und hat neue Waffen angekündigt. Kim Jong Un war zudem erst am Wochenende überraschend zu Gesprächen nach China gereist, zum wichtigsten Verbündeten seines Landes.

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