Wer in diesen Wochen die Vatikanischen Museen besucht, kann einen ungewöhnlichen Fuhrpark bestaunen. Unter dem Titel „Ein Jahrhundert Papamobil“ stehen im sogenannten Quadratischen Garten acht historische Fahrzeuge von Mercedes-Benz, mit denen Päpste unterwegs waren. Die Schau ist seit dem 29. Oktober geöffnet, läuft bis Ende Januar 2027 und ist im Museumsticket enthalten.
Den Auftakt macht der Patent-Motorwagen, den Carl Benz 1886 patentieren ließ und der als erstes Auto der Welt gilt. Die eigentliche Geschichte beginnt 1930: Damals erhielt Pius XI. eine Pullman-Limousine vom Typ Nürburg 460, innen ausgeschlagen mit Seidenbrokat und edlem Holz.
In den 1960er Jahren änderte sich der Anspruch. Der Papst sollte nicht mehr nur befördert, sondern auch gesehen werden. Johannes XXIII. bekam 1960 einen Landaulet mit herausnehmbaren Seitenscheiben, Paul VI. nach seiner Reise ins Heilige Land einen 600 Pullman mit faltbarem Verdeck.
Das Bild, das viele heute vor Augen haben, prägte 1980 ein umgebauter Geländewagen der G-Klasse für den Deutschlandbesuch von Johannes Paul II.: hinten eine erhöhte, durchsichtige Kabine, die schützt und dennoch Blickkontakt erlaubt. Spätere Modelle für Weltjugendtage und für Benedikt XVI. setzten auf immer größere Glasflächen.
Kurator Sandro Barbagallo betont, das Papamobil erfülle eine seelsorgerische Aufgabe: Es bringe den Papst näher zu den Menschen am Straßenrand. Museumsdirektorin Barbara Jatta beschreibt das Auto im Katalog als weit mehr als ein Transportmittel.
Eine kuriose Regel verriet Marcus Breitschwerdt, Leiter von Mercedes-Benz Heritage: In Stuttgart, wo die historischen Wagen gepflegt werden, darf niemand auf dem Platz des Papstes sitzen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Archivmaterial der Nachrichtenagentur ANSA.
