Am späten Donnerstagvormittag traf eine russische Drohne mit Strahltriebwerk den Hauptbahnhof von Dnipro. Mindestens 14 Menschen kamen ums Leben, mindestens ebenso viele wurden verletzt. Unter den Verletzten ist laut Regionalchef Oleksandr Hanscha auch ein elfjähriger Junge, mehrere Opfer schweben in Lebensgefahr.

Auf dem getroffenen Gleis wartete ein Regionalzug, der in Richtung Saporischschja abfahren sollte, daneben stand eine Vorortbahn. Die Fahrt in den Süden dauert normalerweise rund zwei Stunden. Nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe näherten sich gegen 11 Uhr vier Drohnen dieses Typs der Stadt. Drei davon wurden abgefangen, die vierte kam durch.

Bitter ist ein Detail, das die Staatsbahn Ukrsalisnyzja schilderte: Wegen einer erhöhten Gefahrenlage hatte das Personal den stehenden Zug etwa zehn Minuten vor dem Einschlag räumen lassen und Wagen für Wagen kontrolliert. Trotzdem hielten sich viele Reisende weiterhin auf dem Bahnsteig auf. Bahnchef Olexander Perzowskyj bedauerte, dass sich dort noch immer zahlreiche Menschen befunden hätten.

Fotos der Rettungskräfte zeigen ein tiefes Loch im Beton und einen Zug mit zerborstenen Scheiben. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „entsetzlichen“ Angriff. Regierungschef Serhij Korezkyj warf Moskau vor, gezielt Zivilisten zu jagen, und betonte, für diesen Terror gebe es „keine Rechtfertigung“.

Dnipro blieb nicht der einzige Ort mit Opfern. In Tschernihiw im Norden starben zwei Mädchen im Teenageralter auf einer belebten Straße im Zentrum, 23 weitere Menschen erlitten Verletzungen. In Krementschuk kamen bei Angriffen auf Wohnhäuser drei Menschen ums Leben, 32 wurden verletzt.

Die Angriffe fallen in eine Phase vorsichtiger Hoffnung. Im südlichen Gebiet Cherson gilt seit Kurzem eine sechstägige, mit Hilfe der USA vermittelte örtliche Waffenruhe. Sie soll eine Hilfsmission für die von Russland besetzte und seit Kriegsbeginn abgeschnittene Kleinstadt Oleschky ermöglichen. Ob daraus mehr Diplomatie erwächst, ist nach diesem Donnerstag offener denn je.

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