Kiew bekommt die Zusage, auf die es seit Wochen gewartet hat, nur nicht in dem Tempo, das es braucht. Das US-Außenministerium hat am Freitag den möglichen Verkauf von 500 Abfangraketen vom Typ PAC-3 MSE an die Ukraine genehmigt. Der geschätzte Preis liegt bei 2,1 Milliarden Dollar. Es handelt sich um die modernste derzeit eingesetzte Variante des Patriot-Systems, eine der ganz wenigen Waffen, mit denen sich anfliegende ballistische Raketen zerstören lassen.
Bezahlt wird das Paket nicht von Washington. Das Geld stammt aus Spenden Kanadas, Deutschlands und Norwegens, die über das amerikanische Programm Jumpstart laufen, sowie aus ukrainischen Mitteln, die durch einen Kredit der Europäischen Union gedeckt sind. Hauptauftragnehmer ist der Rüstungskonzern Lockheed Martin. Der Kongress kann das Geschäft noch prüfen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Entscheidung „stark“, schob aber sofort einen Einwand nach: Die Lieferungen sollen erst in einigen Jahren beginnen. Nach Medienberichten müssen die Raketen nämlich erst gebaut werden, Insider rechnen sogar erst mit den frühen 2030er-Jahren. Pro Jahr entstehen laut US-Verteidigungsministerium nur rund 600 dieser Flugkörper, und der Krieg der USA gegen Iran hat die Lager zusätzlich geleert.
Selenskyj schlägt deshalb einen Tausch vor. Die Verbündeten sollten ihre vorhandenen Bestände jetzt, im Winter 2026/27, an die Ukraine abgeben und später aus der bereits bezahlten Neuproduktion wieder auffüllen. Kiew hatte um ein Winterpaket von 100 Abfangraketen im Monat gebeten. Russland greife inzwischen „jeden einzelnen Tag“ das Energienetz an, schrieb der Präsident auf X.
Die Genehmigung entspannt ein zuletzt gereiztes Verhältnis. Anfang Oktober hatte Präsident Donald Trump Sanktionen gegen russische Dieselexporte gelockert und Kiew wegen seiner Drohnenangriffe auf russische Raffinerien kritisiert. Eine im Juli angekündigte Lizenz, Patriots selbst in der Ukraine zu fertigen, hat Washington inzwischen wieder kassiert. Ob die neuen Raketen rechtzeitig für die Verhandlungen kommen, auf die Kiew hofft, ist damit offen.
