Jahrzehntelang kämpfte Japan gegen fallende Preise, nun meldet die Notenbank Vollzug. Die Bank of Japan stellte am Freitag fest, dass die zugrunde liegende Teuerung im Land „im Großen und Ganzen“ ihrem Ziel von zwei Prozent entspricht. Eine solche Einschätzung hatte sie seit Einführung dieses Ziels im Jahr 2013 nie abgegeben. Bisher hieß es stets nur, man nähere sich der Marke.

Am Leitzins änderten die Währungshüter vorerst nichts. Er bleibt bei 1,25 Prozent und damit so hoch wie seit 1995 nicht mehr. Ganz einig war sich der Vorstand allerdings nicht: Mit acht zu eins Stimmen fiel die Entscheidung, Ratsmitglied Hajime Takata hätte lieber gleich auf 1,5 Prozent erhöht.

Gouverneur Kazuo Ueda begründete die Pause damit, dass man die Folgen der bisherigen Zinsschritte auf die Kreditvergabe noch genauer prüfen wolle. Zugleich warnte er vor Risiken nach oben und sagte, die Bank müsse wachsam sein, dass die Inflation das Ziel nicht überschießt. Dazu passt die neue Prognose: Für das Fiskaljahr bis März 2028 rechnet die Notenbank nun mit 2,6 statt 2,4 Prozent Kerninflation.

Überraschend kam eine weitere Ankündigung. Ab Januar will die Bank deutlich mehr börsengehandelte Indexfonds aus ihren Beständen abstoßen, nämlich 860 Milliarden Yen pro Jahr statt bisher 330 Milliarden. Auch das ist ein Abschied von der jahrelangen Politik des billigen Geldes.

Hinter der Entwicklung stehen ein schwacher Yen, teure Energie infolge des Iran-Kriegs und steigende Löhne. Die real bereinigten Gehälter legten im August bereits den achten Monat in Folge zu. Ökonomen erwarten den nächsten Zinsschritt nun im Dezember oder Januar. In einer Umfrage des Senders CNBC rechnete die Mehrheit damit, dass der Leitzins bis Mitte 2027 auf 1,75 bis 2 Prozent klettert.

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