Das Bewerberfeld für den wichtigsten Posten der Vereinten Nationen ist um einen Namen länger geworden. Ankara hat am Freitag Feridun Sinirlioğlu offiziell als Kandidaten für das Amt des UN-Generalsekretärs angemeldet. Der erfahrene Diplomat führt derzeit als erster Türke überhaupt das Sekretariat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Wien.

Den Zeitpunkt hat die Türkei bewusst gewählt. Im Sicherheitsrat endete am selben Tag eine weitere Probeabstimmung ohne klaren Favoriten. Bei diesen informellen Runden kreuzen die 15 Ratsmitglieder anonym an, ob sie einen Bewerber ermutigen, entmutigen oder keine Meinung haben. Weil sich bislang niemand absetzen konnte, sieht Ankara offenbar eine Lücke für einen Spätstarter.

Das Schreiben von Präsident Recep Tayyip Erdoğan übergab UN-Botschafter Ahmet Yıldız an die Vorsitzenden von Generalversammlung und Sicherheitsrat. Erdoğan lobt darin vier Jahrzehnte diplomatischer Erfahrung seines Kandidaten und bescheinigt ihm eine „Kultur des Konsenses“. Tatsächlich kennt Sinirlioğlu das System von innen: Von 2016 bis 2023 vertrat er sein Land am East River, zudem war er Außenminister seines Landes. 2023 beauftragte ihn Guterres zudem mit einer unabhängigen Lagebewertung zu Afghanistan.

Die Konkurrenz ist prominent. Bereits im Rennen sind unter anderem die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, IAEA-Chef Rafael Grossi aus Argentinien, die Costa-Ricanerin Rebeca Grynspan und Senegals Ex-Staatschef Macky Sall. Insgesamt stehen damit neun Namen auf der Liste.

Am Ende entscheidet die Arithmetik im Sicherheitsrat. Gewählt ist nur, wer mindestens neun der 15 Stimmen erhält und von keiner der fünf Vetomächte USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien blockiert wird. Die anschließende Ernennung durch die Generalversammlung gilt als Formsache. Viel Zeit bleibt nicht: Guterres’ zweite Amtszeit läuft am 31. Dezember aus, sein Nachfolger soll am 1. Januar beginnen.

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