Wenige Tage vor den Zwischenwahlen in den USA hat Teheran den Ton noch einmal verschärft. Revolutionsführer Mojtaba Chamenei ließ am Samstag eine Erklärung verbreiten, nach der die Streitkräfte auf jeden neuen Angriff sofort und mit voller Wucht antworten sollen. Eine räumliche Begrenzung solle es dabei nicht geben, heißt es in dem Text, der auf seinem offiziellen Telegram-Kanal erschien.
Bemerkenswert ist schon der Anlass: Laut seinem Büro empfing Chamenei die drei ranghöchsten Militärs des Landes, Generalstabschef Ali Abdollahi, Heereschef Amir Hatami und den Kommandeur der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi. Es ist das erste öffentlich bekannt gemachte Treffen dieser Art seit Kriegsbeginn. Gesehen oder gehört hat man den Nachfolger seines getöteten Vaters seither nicht, er äußert sich nur schriftlich.
Inhaltlich bleibt die Botschaft martialisch. Sollte Iran erneut angegriffen werden, bestimme allein die Islamische Republik, wann und unter welchen Bedingungen die Kämpfe enden. Die Liste möglicher Ziele soll so überarbeitet werden, dass amerikanische und israelische Einrichtungen jeder Art in Reichweite liegen. Die Generäle meldeten ihm nach eigener Darstellung hohe Einsatzbereitschaft am Golf, rund um die Straße von Hormus und an den Landgrenzen sowie eine vervielfachte Munitionsproduktion.
Parallel läuft der Versuch, eine neue Eskalation abzuwenden. Unterhändler aus Katar hatten am Freitag mehr als zwölf Stunden in Teheran verhandelt, am Samstag setzte eine iranische Delegation die Gespräche in Doha fort. Die Vermittler stehen dabei nach Angaben eines eingeweihten Beamten laufend mit der US-Seite in Kontakt. Ein katarischer Vorschlag, beide Staaten sollten sieben Tage lang schrittweise Vertrauen aufbauen, stieß in Teheran allerdings auf wenig Gegenliebe.
Außenminister Abbas Araghtschi nannte ein Schreiben von US-Vizepräsident JD Vance immerhin einen „positiven Schritt“. Seine Bedingungen sind jedoch hoch: Aufhebung der Sanktionen und der Hafenblockade, freigegebene Vermögen und eine von Iran mitbestimmte Schifffahrtsroute durch Hormus. In der Region rechnen viele damit, dass Präsident Donald Trump nach der Wahl am Dienstag wieder angreifen lassen könnte.
