Kaiser pilgerten einst zum Taishan, um dort dem Himmel zu opfern. Am Montag stiegen auf den alten Stufen des heiligen Berges in der ostchinesischen Provinz Shandong ganz andere Besucher nach oben: Roboter. Rund 90 Teams schickten humanoide Maschinen, vierbeinige Laufroboter und Exoskelette zur ersten „World Robot Mount Tai Challenge“, ausgerichtet von der staatlichen China Media Group.

Die Strecke hatte es in sich. Knapp vier Kilometer lang führte sie über mehr als 3100 Steinstufen, steile Rampen und enge Kehren rund 600 Höhenmeter hinauf. Manche Teilnehmer sollten einfach so schnell wie möglich oben ankommen, andere mussten empfindliche Fracht wie frische Eier oder ganze Wassermelonen unbeschädigt bis zum Ziel bringen.

Nicht jede Maschine war dem Gelände gewachsen. Staatliche Fernsehbilder zeigten einen humanoiden Roboter mit Stirnband, der auf dem Kopfsteinpflaster in sich zusammensackte, bis Techniker herbeieilten. Ein anderer purzelte eine Treppe hinunter und blieb neben einem Mülleimer liegen. Für die Zuschauer am Wegesrand gehörten solche Pannen zum Spektakel.

Die schnellsten Ergebnisse können sich dennoch sehen lassen. Ein Laufhund des Pekinger Unternehmens Lingyi Technology, einer Tochter des Branchenriesen Unitree, schaffte die komplette Route in 43 Minuten und 41 Sekunden. Zum Vergleich: Wanderer brauchen nach Angaben des Staatssenders CCTV mindestens zwei Stunden. Bei den Humanoiden siegte das Pekinger Team Zhishen Lingyue, das für eine kürzere Strecke 27 Minuten und 26 Sekunden benötigte.

Für die Veranstalter ist der Unesco-Welterbeberg mit seinem unebenen Untergrund ein „natürliches Extrem-Testgelände“. Wer hier das Gleichgewicht hält, so die Idee, kommt später auch in Fabriken, auf Baustellen oder bei Rettungseinsätzen zurecht. Für die Sieger mehrerer Kategorien gab es Preisgelder. Dass ausgerechnet ein Nationalheiligtum als Rennstrecke diente, machte den Wettbewerb zugleich zur Leistungsschau der chinesischen Robotik.

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