Am Ende waren es nur noch drei Meilen, doch für die brauchte Karl Bushby fast drei Jahrzehnte Anlauf. Am Montag erreichte der frühere britische Fallschirmjäger das Haus seiner Mutter im nordenglischen Hull. Angela Bushby, inzwischen 75, wartete wie vor Jahren verabredet am Gartentor. „Wo warst du denn?“, fragte sie unter Tränen. Eine erschöpfende Antwort hätte den restlichen Tag gefüllt.

Losgegangen war Bushby am 1. November 1998 im chilenischen Punta Arenas, an der Südspitze Südamerikas. Damals 29 Jahre alt, gab er sich zwei Regeln: kein motorisierter Schritt nach vorn und keine Heimkehr nach Großbritannien, bevor das Ziel erreicht ist. Rund 50.000 Kilometer später hat er beide eingehalten. Er durchquerte den berüchtigten Darién-Dschungel zwischen Kolumbien und Panama, lief 2006 über das gefrorene Meer der Beringstraße und schwamm im Oktober durch den Ärmelkanal. Unterwegs saß er in Russland in Gewahrsam und sollte abgeschoben werden.

Geplant waren ursprünglich zwölf Jahre. Tatsächlich unterwegs war er nach eigener Rechnung nur etwa 15 der 28 Jahre – Visaprobleme, die Finanzkrise und die Corona-Pandemie zwangen ihn immer wieder zu langen Pausen, die er oft im günstigen Mexiko verbrachte. Seine Familie sah er in dieser Zeit nur selten und stets im Ausland.

Der Empfang in seiner Heimatstadt fiel überwältigend aus. Hunderte Menschen drängten sich auf dem Queen Victoria Square, ein Abgeordneter verlas Glückwünsche von Premierminister Andy Burnham. „So eine Heimkehr hat es noch nie gegeben“, rief Bushby der Menge zu und dankte dem „größten Team – der Erde“. Schon am Sonntag hatten ihn auf der Humber-Brücke sein Sohn Adam und eine zwölfjährige Enkelin begrüßt, die er zum ersten Mal sah.

Mit dabei ist auch der deutsche Regisseur Werner Herzog, der einen Dokumentarfilm über die Reise dreht. Bushby selbst rechnet mit einer schwierigen Zeit danach: Wer ein halbes Leben lang Abenteurer war, müsse sich nun eine neue Identität suchen.

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