Vierzehn Stunden waren elf Bergretter aus Mühlbach im Salzburger Pongau unterwegs, bis der junge Mann aus Deutschland in Sicherheit war. Er hatte am Samstagabend gegen 19 Uhr im Klettersteig „Königsjodler“ am Hochkönig den Notruf gewählt, auf etwa 2600 Metern, erschöpft und unterkühlt. Seine zwei Begleiter waren da schon nicht mehr bei ihm: Sie kletterten weiter bis zum geschlossenen Matrashaus am Gipfel auf 2941 Metern und verbrachten die Nacht in dessen Winterraum.

Das Trio hatte die anspruchsvolle Route erst am Nachmittag begonnen, laut Bergrettung trotz einer schlechten Prognose und obwohl eine andere Bergsteigerin sie eindringlich gewarnt hatte. Der Rettungshubschrauber blieb wegen Sturm und Wolken am Boden, also stiegen die Retter zu Fuß durch das vereiste Birgkar auf. Knapp vor zwölf Uhr nachts war das Team endlich bei ihm. Während des Abstiegs zog eine weitere Kaltfront auf, rund 20 Zentimeter Neuschnee verdeckten den Weg, und die Gruppe musste angeseilt durch steiles Gelände. Erst am Sonntag um 8.18 Uhr kamen alle an der Erichhütte an. Der Gerettete blieb unverletzt.

Ungewöhnlich scharf äußerte sich Gerhard Kremser, der die Bergrettung im Pongau leitet. Eine zweite Nacht dort oben hätte der Bergsteiger vermutlich nicht überlebt, sagte er Sein Rat an alle Alpinisten: lieber rechtzeitig umdrehen, der Gipfel sei auch morgen noch da. Einen erschöpften Kameraden bei Schneefall hoch oben allein zu lassen, sei schlicht inakzeptabel, betonen die Retter.

Ob der Vorfall ein juristisches Nachspiel hat, prüft nun die Staatsanwaltschaft, an die die Alpinpolizei ihren Bericht geschickt hat. Nach Angaben des ORF hatte der Mann mit seinen Freunden vereinbart, allein abzusteigen, während sie weitergehen. Fachleute halten deshalb selbst eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung für fraglich. Offen ist auch, wer die Kosten des Einsatzes trägt: Der Deutsche Alpenverein, über den der Mann versichert ist, will klären, ob grobe Fahrlässigkeit vorlag.

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