Im Südosten der Ukraine steigt die Opferzahl nach dem Luftangriff auf Komyschuwacha weiter. Die Nationalpolizei meldete am vierten Tag der Bergung 42 geborgene Leichen. Bis zu etwa 33 Menschen könnten noch unter den Trümmern liegen; die Suche läuft ohne Unterbrechung. Der Ort in der Region Saporischschja war am Montag, dem 2. November, Ziel mehrerer Luftschläge, während dort Hilfsgüter ausgegeben wurden.
Nach ukrainischen Angaben war eine unterirdisch genutzte Schule als Versorgungs- und Schutzpunkt eingerichtet. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem sogenannten Double-Tap: Nach dem ersten Einschlag seien gezielt weitere Bomben auf den Unterstand gefallen – er nannte neun zusätzliche Sprengkörper. Unter den Toten sind laut Polizei auch Einsatzkräfte; bis zum 4. November waren unter anderem vier Polizisten bestätigt. Viele Opfer lassen sich optisch nicht mehr zuordnen; DNA-Proben sollen die Identifizierung fortsetzen.
Russland spricht von einem militärischen Ziel. Unabhängige Beobachter vor Ort können das Ausmaß der Zerstörung und die zivile Nutzung des Gebäudes nur schrittweise dokumentieren, während Retter in instabilem Schutt arbeiten. Der Katastrophenschutz warnte, jeder Schritt erfordere höchste Vorsicht und enge Abstimmung. Mykhailo Semikin von der regionalen Militärverwaltung bestätigte die steigende Zahl und die schwierigen Bedingungen unter den Trümmern.
Am Mittwoch hatten Behörden noch Dutzende Vermisste gelistet; ein Teil dürfte inzwischen unter den geborgenen Toten sein. Die Rettungsarbeiten gehen dennoch weiter, weil die Chance auf Überlebende nicht ausgeschlossen wird. Für Angehörige und Helfer bleibt der vierte Tag eine zähe Bilanz: mehr Gewissheit über Tote, weiterhin Unsicherheit über Menschen unter dem Schutt – und ein Angriff, der Hilfsstrukturen in einer ohnehin hart getroffenen Region getroffen hat. Internationale Hilfsorganisationen beobachten die Lage, während die Bergung fortgesetzt wird. Solange Trümmerfelder unsicher bleiben, bleibt die genaue Zahl der noch Verschütteten eine Schätzung der Einsatzkräfte vor Ort.
