Am Donnerstag haben Hunderttausende in ganz Frankreich gestreikt und demonstriert – laut Innenministerium die bislang stärkste Mobilisierung der seit September andauernden Protestwelle. Die Behörden zählten zunächst rund 600.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, korrigierten später auf etwa 575.000; die CGT sprach von knapp 1,6 Millionen. Allein in Paris sollen nach Gewerkschaftsangaben Hunderttausende vom Place de la République zum Place de la Nation gezogen sein.

Auslöser war eine Bewegung an den Lycées, die sich über schlechte Lernbedingungen und Personalmangel beschwerte. Daraus wurde eine breitere Allianz: Schülerinnen, Studierende, Beschäftigte aus Bahn, Kliniken und Post sowie Teile der Gelbwesten-Szene forderten höhere Löhne und mehr öffentliche Mittel. Fünf Gewerkschaftsbünde hatten zu einem gemeinsamen Aktionstag aufgerufen. Die CGT-Chefin Sophie Binet sprach von einer neuen Stufe und verlangte unter anderem eine deutliche Anhebung des Mindestlohns Smic, der derzeit bei 12,31 Euro pro Stunde liegt. Die CFDT pocht zusätzlich auf rund 100 Euro mehr Netto im Monat.

Der Staat reagierte mit massiver Präsenz: Innenminister Laurent Nuñez ließ rund 70.000 Polizisten und Gendarmen aufbieten. Es gab Scharmützel und Festnahmen – in Lyon brannte ein Auto, in Bordeaux und Rennes kamen Tränengas zum Einsatz –, doch das Chaos vom 17. Oktober mit flächendeckenden Plünderungen blieb aus. Schulen und Universitäten waren stark betroffen: Das Bildungsministerium meldete 16 Prozent streikende Lehrkräfte, an mehreren Dutzend Hochschulen fiel der Betrieb aus. Auch der Eiffelturm und Teile des Louvre blieben geschlossen; Refinerien und Kraftwerke drosselten die Arbeit.

Am Abend kündigte Premierminister Sébastien Lecornu eine „Sozialkonferenz“ mit Gewerkschaften und Arbeitgebern für Montag, den 9. November, in Matignon an. Dort sollen Kaufkraft und Löhne verhandelt werden. Gleichzeitig steht die Regierung unter Haushaltsdruck: Das Defizit soll Richtung fünf Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Ob die Gespräche die Straße beruhigen, ist offen – Teile der Gelbwesten kündigten für das Wochenende weitere Blockaden an.

samweber.si

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