Eine Beerdigung ist in Jordanien zum Schauplatz eines Blutbads geworden. Bewaffnete eröffneten am Freitag in einer griechisch-orthodoxen Kirche im Dorf Hmoud im Gouvernement Karak das Feuer auf die Trauergemeinde. Nach Angaben der Behörden starben sechs Menschen, 28 wurden verletzt. Erste Meldungen hatten von sieben Toten gesprochen.

Augenzeugen schilderten, wie zu Beginn der Trauerprozession zunächst ein Knall zu hören gewesen sei. Danach seien maskierte Männer in das Gotteshaus eingedrungen. Ein Trauergast sagte dem staatlichen Sender Al-Mamlaka, zwei Angreifer – einer mit Gewehr, einer mit Pistole – hätten minutenlang auf die Anwesenden geschossen. Überwachungsvideos, die die BBC prüfte, zeigen offenbar drei bewaffnete Männer auf dem Weg zur Kirche. Die Täter flüchteten mit einem Auto. Sicherheitskräfte fahnden nach ihnen; bekannt hat sich bislang niemand zu der Tat.

König Abdullah II. sprach von einem Terrorakt und kündigte die härtesten Strafen an. Wer glaube, die Jordanier mit Kugeln spalten zu können, werde scheitern, schrieb er. Der Regierungschef berief den nationalen Sicherheitsrat ein. Die Generalstaatsanwaltschaft in Amman verhängte zugleich eine Nachrichtensperre: Medien im Land dürfen keine Details zu den Ermittlungen verbreiten.

Gewalt dieser Art ist in dem Königreich selten. Rund 300.000 Christen leben unter den etwa 11,5 Millionen Einwohnern, die Region um Karak gilt seit Generationen als Beispiel für ein enges Miteinander von Christen und Muslimen. Ganz unbekannt ist Terror dort allerdings nicht: 2016 verschanzten sich Kämpfer der Terrormiliz IS in der mittelalterlichen Kreuzritterburg der Stadt und töteten zehn Menschen, darunter eine kanadische Touristin.

Für Jordanien wiegt der Angriff auch politisch schwer. Das Haus des Königs versteht sich als Hüter heiliger Stätten von Christen und Muslimen in Jerusalem und wirbt international für religiöse Toleranz.

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