Ein Streifen blauer Himmel, aber noch keine Entwarnung: In Singapur hat sich die Luftqualität am Montag erstmals seit mehr als einer Woche in Teilen des Stadtstaats auf „mäßig“ verbessert. Im Norden, Süden und Osten sank der über 24 Stunden gemittelte Schadstoffindex PSI unter 100. Im Westen und im Zentrum blieb er dagegen im gesundheitsschädlichen Bereich. Damit verzeichnete Singapur den 15. Tag in Folge mit ungesunder Luft – länger als bei der großen Rauchkrise von 2015.
Ursache sind Brände in Indonesien, vor allem auf Sumatra und in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos. Noch am Sonntag hatte der Westen Singapurs mit einem PSI von 230 den schlechtesten Wert des Jahres gemessen. Die Umweltbehörde NEA mahnt zur Vorsicht: Wegen dichten Rauchs und Wolken lasse sich nicht abschätzen, wie viele Feuer noch lodern. Zwar ist Regen angesagt, doch in den gefährdeten Regionen bleibt es trocken.
Besonders hart trifft es den malaysischen Bundesstaat Johor auf der anderen Seite der Meerenge. Dort bleiben die Schulen weitere fünf Tage zu, unterrichtet wird zu Hause. In Pasir Gudang kletterte der Luftschadstoffindex am Sonntag auf 190. Im Oktober registrierten die Behörden mehr als 30.000 Fälle von Asthma und Atemwegsinfekten, Woche für Woche gut 20 Prozent mehr.
Singapur will die Verursacher zur Rechenschaft ziehen. Die NEA stellte drei weiteren indonesischen Firmen mit Flächen in Kalimantan offizielle Aufforderungen zu, gestützt auf ein Gesetz gegen grenzüberschreitende Luftverschmutzung. Insgesamt sind damit zehn Unternehmen betroffen. Sie müssen Löschtrupps einsetzen, jedes Abbrennen einstellen und Pläne gegen neue Feuer vorlegen. Umweltministerin Grace Fu sagte, von den sieben zuvor angeschriebenen Firmen habe man bislang nichts gehört.
Auch wirtschaftlich hinterlässt der Rauch Spuren. Eine 73-jährige Garküchen-Betreiberin im Tekka Centre berichtete, statt rund 500 kämen nur noch etwa 200 Gäste am Tag – ausgerechnet vor dem Lichterfest Deepavali, das sonst viel Kundschaft bringt.
