Das Sonnensystem bekommt womöglich einen sechsten offiziell anerkannten Zwergplaneten. Das Vera-C.-Rubin-Observatorium in Chile hat einen großen Himmelskörper jenseits der Neptunbahn aufgespürt, der vorläufig die Bezeichnung 2026 ED138 trägt. Vorgestellt wurde der Fund bei der Jahrestagung der planetenwissenschaftlichen Abteilung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Spokane im US-Bundesstaat Washington.

Gefunden hat das Objekt Matthew Holman vom Center for Astrophysics in Harvard. Am Abend des 13. Oktober ließ er Daten aus diesem Jahr durch ein Suchprogramm laufen, das er gemeinsam mit seinem Kollegen Kevin Napier entwickelt hat. Es gleicht Milliarden Positionsmessungen ab und erkennt, welche davon zum selben wandernden Punkt gehören. Helligkeit und Entfernung verrieten sofort, dass etwas Ungewöhnliches dabei war. Er sei zunächst „ungläubig“ gewesen und habe nach Fehlern gesucht, erzählte Holman.

Doch der Fund hielt stand. Das Rubin-Teleskop hatte den Körper zwischen März und Juli an 20 Nächten insgesamt 30-mal abgelichtet. Ältere Aufnahmen einer Kamera in Chile reichen bis 2016 zurück, möglicherweise taucht er sogar auf Fotoplatten von 1954 auf. Derzeit steht ED138 rund 46 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt, also 46-mal so weit wie die Erde; Pluto kommt im Mittel auf etwa 40.

Wie groß der Brocken ist, lässt sich bisher nur abschätzen: zwischen 600 und 1500 Kilometer, je nachdem, wie stark seine Oberfläche Licht zurückwirft. Eisige Körper dieser Größe sind in aller Regel rund – eine Voraussetzung für den Status als Zwergplanet. Bestätigen Infrarotmessungen die Größe, reiht er sich neben Pluto, Ceres, Eris, Haumea und Makemake ein.

Für das Observatorium ist es erst der Anfang. In seiner auf zehn Jahre angelegten Himmelsdurchmusterung soll es Zehntausende weitere Objekte jenseits des Neptuns aufspüren.

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