Windkraft gilt als eine der saubersten Arten, Strom zu erzeugen. Für Fledermäuse ist sie allerdings ein wachsendes Risiko, und das offenbar in weit größerem Ausmaß als bislang angenommen. Eine neue Untersuchung unter Leitung des US Geological Survey kommt zu dem Ergebnis, dass an Windparks an Land in den Vereinigten Staaten zwischen 1981 und 2024 etwa 18,7 Millionen Tiere ums Leben gekommen sind.

Die Forscher werteten dafür 499 Kontrollberichte von 277 Anlagen aus und füllten die Lücken mit einem statistischen Modell. Das war nötig, weil Betreiber unterschiedlich gründlich suchen und Aasfresser oder hohes Gras viele Kadaver verschwinden lassen. Die Rechnung zeigt einen steilen Anstieg: Vor rund zwanzig Jahren starben schätzungsweise 100.000 Fledermäuse pro Jahr, seit 2021 sind es mehr als 1,5 Millionen. Die Autoren führen das auf den massiven Ausbau der Windenergie zurück.

Betroffen sind vor allem wandernde Arten, die in Bäumen schlafen. Allein die Graue Fledermaus kommt auf rund 6,7 Millionen Opfer, die Rote Fledermaus auf 5,8 Millionen. Damit trifft die Windkraft andere Arten als die gefürchtete Weißnasenkrankheit, die vor allem in Höhlen überwinternde Tiere dahinrafft. Die Verluste beider Bedrohungen könnten ähnlich groß sein und sich addieren, warnen die Fachleute in der Zeitschrift PNAS.

Warum die Tiere überhaupt mit den Rotoren kollidieren, ist nicht abschließend geklärt. Vermutet wird, dass sie vom Geräusch angelockt werden oder die Türme für Bäume halten. Klarer ist, wo es gefährlich wird: Anlagen mit großer Rotorfläche, geringem Abstand zum Boden und in Flussnähe schneiden besonders schlecht ab.

Dass Abhilfe möglich ist, zeigt Europa. Eine Auswertung von 141 Windparks ergab, dass sich die Verluste um mehr als 80 Prozent senken lassen, wenn die Rotoren bei idealem Flugwetter für Fledermäuse stillstehen. Deutschland schreibt solche Abschaltzeiten bereits seit etwa 2010 vor.

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