Wolodymyr Selenskyj hat seine Bedingungen für ein Ende des Krieges so klar formuliert wie selten. In einem Gespräch mit dem US-Sender ABC News sagte der ukrainische Präsident, Kiew sei bereit, die Kämpfe entlang der aktuellen Kontaktlinie einzustellen. Die Ukraine wolle den Krieg „so schnell wie möglich“ beenden. Eine rote Linie zog er allerdings ebenso deutlich: Besetzte Gebiete werde sein Land niemals als russisch anerkennen.
Besonders wehrte sich Selenskyj gegen eine Zahl, die in Washington und Moskau immer wieder kursiert. Wer von einem Viertel des Staatsgebiets spreche, verlange in Wahrheit, dass die Ukraine den noch nicht eroberten Teil des Donbas freiwillig räume. Erst dann käme Russland auf rund 25 Prozent. Tatsächlich kontrolliere die russische Armee derzeit 19,3 Prozent des Landes. Solche Vorschläge habe er gehört, betonte er, annehmen werde er sie nicht.
Ein zweites Thema des Interviews war die schwindende Unterstützung aus den USA. Nach Selenskyjs Angaben hat die Ukraine in den vergangenen drei Monaten gerade einmal 24 Abfangraketen für ihre Patriot-Systeme aus amerikanischer Produktion erhalten. Gebraucht würden im Schnitt etwa 350 pro Monat. Wie groß der Druck ist, machte er an einer einzigen Nacht fest: Am Donnerstag seien 30 ballistische Raketen auf Kiew niedergegangen. Auch das Satellitennetz Starlink laufe für das Militär noch nicht wieder reibungslos, sagte er.
Das Gespräch fällt in eine Phase, in der Washington den Ton gegenüber Kiew verschärft. US-Präsident Donald Trump macht die ukrainische Seite wiederholt für den Stillstand der von den USA vermittelten Gespräche verantwortlich, und amerikanische Medien berichten von wachsendem Druck auf Selenskyj, Zugeständnisse zu machen.
Für einen dauerhaften Frieden nennt der Präsident drei Voraussetzungen: eine sofortige Waffenruhe, verbindliche Sicherheitszusagen der Verbündeten und eine langfristige Finanzierung, die eine starke ukrainische Armee erhält. Ob Moskau sich auf ein Einfrieren ohne Anerkennung seiner Eroberungen einlässt, gilt als höchst fraglich.
