Lange kursierten nur geleakte Entwürfe, seit Montag ist es offiziell: Das KI-Unternehmen Anthropic, Entwickler des Chatbots Claude, hat bei der US-Börsenaufsicht SEC den Antrag für seinen Gang an die Börse eingereicht. Gehandelt werden sollen die Aktien an der Nasdaq unter dem Kürzel „ANT“. Wie viele Papiere verkauft werden und zu welchem Preis, steht noch nicht fest; das dürfte erst nach Gesprächen mit Investoren in einigen Wochen nachgereicht werden. Federführende Banken sind Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Der Prospekt liefert zum ersten Mal belastbare Zahlen. Im ersten Halbjahr 2026 setzte Anthropic gut 16,3 Milliarden Dollar um, ein Jahr zuvor waren es knapp 1,2 Milliarden. Fast neun Milliarden flossen allein in Rechenleistung und Infrastruktur. Der operative Verlust schrumpfte auf 693 Millionen Dollar. Unter dem Strich steht dennoch ein gewaltiges Minus von 80,7 Milliarden Dollar, das vor allem aus buchhalterischen Neubewertungen von Wandelanleihen und ähnlichen Finanzierungsinstrumenten stammt, also nicht aus abfließendem Geld. An Barmitteln und kurzfristigen Anlagen hielt die Firma Ende Juni rund 131,7 Milliarden Dollar.

Gewachsen ist vor allem das Geschäft mit Unternehmen: Mehr als 11.900 Kunden zahlen jährlich über 100.000 Dollar, etwa 250 sogar mehr als zehn Millionen.

Für Diskussionen sorgt die Machtverteilung. Die sieben Gründer, darunter die Geschwister Dario und Daniela Amodei, sollen gemeinsam 50,1 Prozent der Stimmrechte kontrollieren, ein Treuhandgremium bestimmt den Großteil des Aufsichtsrats. Anthropic begründet das mit seiner Sicherheitsmission. Bemerkenswert offen ist die Risikobeschreibung: KI könne „katastrophale oder existenzielle Risiken für die Menschheit“ bergen, heißt es sinngemäß, und Gewinne seien keineswegs garantiert. Der Börsengang dürfte zu den größten der US-Geschichte zählen und gilt als Gradmesser dafür, wie viel Vertrauen Anleger in das Geschäft mit generativer KI haben. Für sie beginnt nun das Warten auf die Preisspanne.

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