Spanien erlebt das zweite schwere Bahnunglück innerhalb eines Jahres. Am Mittwochmorgen gegen 8.54 Uhr fuhr auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla ein AVE der staatlichen Renfe nahe dem Ort Urda in der Provinz Toledo auf einen Zug des privaten Anbieters Iryo auf, der auf dem Gleis stand. Zwei Wagen des Iryo kippten bei dem Aufprall eine Böschung hinunter.
Die Opferzahlen stiegen im Laufe des Vormittags immer weiter. Zunächst war von zehn Toten die Rede, dann von 30. Nach dem jüngsten Stand des Zivilschutzes von Kastilien-La Mancha sind mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 179 wurden verletzt. Insgesamt saßen 544 Reisende in beiden Zügen, davon 397 im Renfe-Zug, der um 8 Uhr in Madrid abgefahren war. Weil noch nicht alle Fahrgäste aufgefunden wurden, gelten die Zahlen als vorläufig.
Zur Ursache gibt es erste Vermutungen. Nach Angaben aus Regierungskreisen war am Morgen das automatische Zugsicherungssystem LZB ausgefallen, mehrere Züge hielten an. Die Strecke wurde danach mit manueller Signalisierung betrieben. Der Iryo-Zug soll aus noch ungeklärten Gründen nicht wieder angefahren sein – und trotzdem habe die Leitstelle dem nachfolgenden AVE die Weiterfahrt erlaubt. Offiziell bestätigt ist diese Darstellung eines menschlichen Fehlers noch nicht.
Ein Fahrgast aus dem hinteren Teil eines der Züge berichtete im Radio von einem „gewaltigen Dröhnen“, das etwa zehn Sekunden angehalten habe. Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich „erschüttert“, König Felipe VI. sprach den Familien sein Beileid aus. Rettungskräfte und die Militäreinheit UME sind im Einsatz.
Der Bahnbetreiber Adif hat den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien vorerst eingestellt. Erst im Januar waren beim Unglück von Adamuz in der Provinz Córdoba 46 Menschen gestorben. Spanien betreibt das größte Schnellbahnnetz Europas.
