Ein Jahr nach seiner Sperre bekommt einer der treffsichersten Kicker der NFL-Geschichte eine neue Gelegenheit. Die Kansas City Chiefs nehmen Justin Tucker in ihren Practice Squad auf, das bestätigten mehrere US-Medien am Mittwoch. Der 36-Jährige hat seit der Saison 2024 kein Spiel mehr bestritten.

Tuckers Lebenslauf ist zweigeteilt. Sportlich gehört er zu den Besten seines Fachs: siebenmal im Pro Bowl, fünfmal All-Pro, eine Karriere-Quote von 89,1 Prozent bei Field Goals, übertroffen nur von Cameron Dicker von den Chargers. Doch 2025 warfen ihm 16 Masseurinnen aus dem Raum Baltimore unangemessenes Verhalten während Behandlungen vor. Tucker bestritt die Vorwürfe, angeklagt wurde er nie. Die Liga sperrte ihn trotzdem für zehn Spiele wegen Verstoßes gegen ihre Verhaltensregeln, die Ravens trennten sich nach 13 Jahren von ihm.

Dass Kansas City jetzt zugreift, hat mit Harrison Butker zu tun. Der Stammkicker hat in dieser Saison schon fünf Field Goals und einen Extrapunkt vergeben, zwei Fehlschüsse allein bei der 3:20-Niederlage in Seattle am Sonntag. Die Chiefs ließen deshalb drei Kandidaten vorkicken, darunter Tucker und den früheren Rams-Kicker Harrison Mevis.

Trainer Andy Reid hielt sich mit Bewertungen zurück. Tucker habe seine Strafe abgesessen, man habe mit vielen Leuten gesprochen und sich gründlich informiert. Über Butker sagte er, man schätze ihn sehr, aber er müsse sich steigern. Vorerst bekomme Butker die meisten Wiederholungen im Training und werde voraussichtlich am Sonntag gegen die Denver Broncos antreten. „Es ist im Fluss“, so Reid.

Auch für Tucker ist es keine Selbstverständlichkeit: Seine letzte Saison in Baltimore war seine schwächste, mit acht Fehlversuchen bei 30 Field Goals.

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