An der Grenze zwischen Äthiopien und Kenia spitzt sich eine humanitäre Notlage zu, die außerhalb der Region bisher kaum wahrgenommen wird. Seit dem 22. Oktober haben nach Angaben der kenianischen Behörden bis zu 50.000 Menschen die Grenze bei Moyale überquert. Sie flohen vor Kämpfen auf der äthiopischen Seite.

Moyale ist eine geteilte Stadt: Ein Teil liegt in Äthiopien, der andere im kenianischen Bezirk Marsabit. Dorthin kamen vor allem Frauen und Kinder. Viele kommen bei Verwandten oder gastfreundlichen Familien unter, andere übernachten in Schulen, Kirchen und an fünf provisorischen Sammelorten.

Am dringendsten fehlt Nahrung. Daneben brauchen die Neuankömmlinge sauberes Trinkwasser, Notunterkünfte, Toiletten und medizinische Versorgung. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) warnt zudem, dass die Gastgemeinden selbst unter Druck geraten. Kenias IOM-Missionschefin Nomagugu Ncube nannte es eine dringende Aufgabe, sowohl den Geflüchteten als auch den aufnehmenden Gemeinden zu helfen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat ein Nothilfeteam nach Moyale geschickt. Es bringt Hilfsgüter wie Haushaltsartikel und Material für Unterkünfte für knapp 12.000 Menschen auf den Weg und sucht gemeinsam mit den Behörden sicherere Quartiere weiter weg von der Grenze. Beteiligt sind außerdem UNICEF, das Welternährungsprogramm und das Kenianische Rote Kreuz.

Für die kommenden drei Monate bitten die vier UN-Organisationen um 8,9 Millionen US-Dollar. Damit sollen Essen, Wasser, Unterkunft, Registrierung und Schutz, besonders für Kinder, finanziert werden. Die Regierung in Nairobi und ihre Partner planen vorsorglich sogar für bis zu 80.000 Menschen.

Alle Zahlen gelten als vorläufig. Registrierung und Überprüfung laufen noch, und es gibt Berichte über weitere Grenzübertritte. Ob sich die Lage auf der äthiopischen Seite bald beruhigt, ist offen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert