Busse, Schulen und Häfen standen am Freitag in vielen Teilen Italiens still. Die Basisgewerkschaft USB hatte gemeinsam mit kleineren Verbänden wie Cobas und CUB zum landesweiten Ausstand aufgerufen, und auf den Straßen von rund 70 Städten kamen Arbeiter, Studierende, Rentner und Wohnungsaktivisten zusammen. Ihr Motto lautete sinngemäß „Blockieren wir alles“.

Die Forderungen reichen weit. Die Demonstranten verlangen höhere Löhne, bezahlbare Mieten und Energie, mehr Geld für Schulen und Gesundheit – und weniger für Waffen. Hafenarbeiter wollten zudem gemeinsam mit Kollegen in etwa 20 weiteren Ländern gegen Rüstungstransporte protestieren. Die Organisatoren sprechen von einer bis anderthalb Millionen Teilnehmern; offizielle Zahlen gab es nicht.

Wie groß der Unmut unter jungen Leuten ist, zeigte sich in Rom. Dort führten zwei Traktoren und ein Taxi den Zug vom Hauptbahnhof am Kolosseum vorbei bis vor das Wirtschaftsministerium. Eine 16-jährige Schülerin klagte gegenüber AFP über marode Gebäude: Man wolle „keine Mäuse in unseren Schulen“. Ein WG-Zimmer koste in der Hauptstadt inzwischen bis zu 1.200 Euro im Monat, berichtete eine Studentin.

Weitgehend blieb es friedlich. Nahe dem Kolosseum spaltete sich jedoch eine kleine Gruppe ab, errichtete Barrikaden, zündete Mülltonnen an und warf Flaschen auf Beamte; acht Personen wurden festgehalten. Die Plätze vor Parlament und Regierungssitz von Giorgia Meloni waren vorsorglich gesperrt. In Mailand wich der Zug bewusst aus dem Zentrum aus, wo es zwei Wochen zuvor zu Plünderungen gekommen war.

Die Bewegung orientiert sich an Protesten in Frankreich und Spanien und dürfte nicht so schnell abebben. Cobas-Sprecher Piero Bernocchi kündigte an, man werde zügig über weitere Aktionen beraten, einschließlich eines erneuten Generalstreiks. Für Melonis Regierung kommt das ein Jahr vor der nächsten Parlamentswahl zur Unzeit.

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