Es sollte ein Tag werden, an dem die Jüngsten im Land unüberhörbar werden. Für Samstag hatte das Bündnis „Gen Z regelt“ Kundgebungen in über 30 deutschen Städten angemeldet, und tatsächlich kamen viele: Die Organisatoren sprechen von 120.000 Teilnehmenden, erwartet hatten sie sogar 160.000. Polizeiliche Gesamtzahlen gab es zunächst nicht, örtlich lagen die Schätzungen der Behörden unter denen der Veranstalter.

Die Forderungen reichen weit. Schulen sollen mehr Geld bekommen, ebenso Suchtberatung und psychotherapeutische Angebote. Dazu kommen bezahlbare Mieten und Preise, ein gerechteres Sozialsystem sowie konsequenteren Schutz des Klimas. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht lehnt die lose organisierte Bewegung ab, ebenso mehr staatliche Überwachung. Vorbild sind ähnliche Jugendproteste in Frankreich und Italien.

Tagsüber blieb es fast überall ruhig. Nach dem offiziellen Ende kippte die Stimmung allerdings in mehreren Städten. In Frankfurt löste die Polizei einen Zug mit einigen tausend Menschen auf, nachdem Böller und Steine geflogen waren. Hessens Innenminister Roman Poseck sprach von etwa 100 Störern, die Einsatzkräfte gezielt attackiert hätten; mehrere Beamte wurden verletzt. In Köln hatte die Polizei den geplanten Marsch wegen Vermummter und Pyrotechnik schon vorher untersagt, später trieben zwei Wasserwerfer eine Gruppe von mehreren hundert Menschen auseinander. Ein Mann wurde festgenommen, ermittelt wird wegen schweren Landfriedensbruchs.

Auch aus Hamburg wurden brennende Barrikaden gemeldet, in Bremen ging ein Müllcontainer in Flammen auf, in Leipzig setzte die Polizei Pfefferspray ein. In Berlin beendete sie einen abendlichen Zug mit rund 3.000 Teilnehmenden vorzeitig, der nicht von „Gen Z regelt“ angemeldet worden war.

Für die Polizeigewerkschaft fiel das Fazit zwiespältig aus. Andreas Roßkopf verortete die Randalierer im autonomen Spektrum, viele davon vermummt, und grenzte sie von den jungen Organisatoren ab. Deren Aufrufe hatten von Anfang an Gewaltfreiheit verlangt.

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