Als der Hammer in Jerewan zum letzten Mal fiel, war es bereits Samstagvormittag. Nach fast zwei Wochen Verhandlungen und einer Abschlusssitzung, die sich durch die ganze Nacht zog, haben die Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention ihre 17. Konferenz in der armenischen Hauptstadt beendet. Gegen 10.20 Uhr Ortszeit erklärte Präsident Hambardsum Matewosjan, Armeniens Umweltminister, das Treffen für geschlossen.
Im Zentrum stand eine unbequeme Bestandsaufnahme. Zur Halbzeit des 2022 in Montreal vereinbarten Weltnaturabkommens haben die Staaten erstmals gemeinsam geprüft, wie weit sie mit ihren 23 Zielen sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ohne deutlich schnelleres Handeln werde man das Artensterben bis 2030 nicht umkehren, halten sie fest. Als Antwort wurde der sogenannte Yerevan Pathway verabschiedet, ein Fahrplan, mit dem jedes Land seine Lücken gezielt schließen soll.
Konventionschefin Astrid Schomaker räumte offen ein, der Fortschritt sei „weder schnell genug noch umfassend genug“. Neben dem Fahrplan einigten sich die Delegierten auf neue Arbeitsprogramme zu Schutzgebieten und Wäldern sowie auf Regeln, mit denen indigene Völker und lokale Gemeinschaften stärker mitentscheiden können. Über diesen Punkt wurde bis etwa acht Uhr morgens gerungen.
Spannend wurde es auch bei der Frage, wer die nächste Konferenz ausrichtet. In geheimer Abstimmung setzte sich Quito in Ecuador mit 55 zu 53 Stimmen knapp gegen Panama-Stadt durch; COP18 findet 2028 statt. Beim Streitthema digitaler Gensequenzen bekräftigte die Runde die Beitragssätze für Unternehmen, die mit solchen Daten Geld verdienen, und legte fest, wie der Cali-Fonds seine Mittel künftig verteilt.
Anders als vor zwei Jahren in Kolumbien, wo der Gipfel mangels anwesender Delegierter abgebrochen und Monate später in Rom fortgesetzt werden musste, brachte Jerewan alle großen Texte unter Dach und Fach. Ob daraus mehr Natur wird, entscheidet sich nun in den Hauptstädten.
