Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen kündigen sich offenbar sehr viel früher an als bisher gedacht. Eine Forschungsgruppe hat im Blut spätere Patientinnen und Patienten charakteristische Antikörpermuster gefunden, und zwar bis zu zehn Jahre vor der Diagnose. Vorgestellt wurde die Arbeit auf dem Kongress der United European Gastroenterology in Barcelona, erschienen ist sie im Fachjournal Gut.
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betreffen weltweit mindestens 3,8 Millionen Menschen. Sie verursachen Schmerzen, Durchfall und Erschöpfung, und behandelt wird meist erst, wenn der Darm schon Schaden genommen hat.
Für die Studie griff das Team um den Mediziner Arno Bourgonje vom Universitätsklinikum Groningen und der Icahn School of Medicine in New York auf eingelagerte Blutproben von US-Soldaten zurück. Untersucht wurden 500 Personen, je 200 mit späterem Crohn oder späterer Colitis sowie 100 Gesunde. Von jeder Person lagen vier Proben vor: vom Zeitpunkt der Diagnose sowie etwa zwei, vier und zehn Jahre davor. Getestet wurde die Reaktion auf rund 357.000 Eiweißbruchstücke aus Bakterien, Viren, Nahrung und körpereigenem Gewebe.
Das Ergebnis: Wer später erkrankte, hatte ein weniger vielfältiges Antikörperrepertoire. Bei Crohn fielen verstärkte Abwehrreaktionen gegen Herpesviren wie Epstein-Barr und gegen Geißelproteine von Bakterien auf, besonders bei schweren Verläufen. Bei Colitis richteten sich auffällig viele Antikörper gegen körpereigene Strukturen. Ein lernendes Computermodell konnte künftige Kranke recht zuverlässig von Gesunden unterscheiden.
Bourgonje warnt dennoch vor zu großen Erwartungen. Noch sei das kein Test, der einem Menschen seine Erkrankung vorhersagen könne. Die Muster müssten in größeren und vielfältigeren Gruppen bestätigt werden, zudem zeigen sie nur Zusammenhänge, keine Ursachen. Langfristig hoffen die Forschenden auf ein Vorgehen wie bei Typ-1-Diabetes, wo Bluttests ein Risiko schon Jahre vorher anzeigen.
