Mehr als drei Jahre nach einem der schlimmsten Sektenverbrechen der jüngeren Geschichte ist das Urteil gefallen. Das Oberste Gericht in Mombasa hat den selbsternannten Pastor Paul Mackenzie am Montag in 191 Fällen des Mordes schuldig gesprochen. Unter den Toten, um die es in diesem Prozess ging, sind 190 Kinder. Mit ihm wurden 28 Vertraute verurteilt, darunter seine Ehefrau. Das Strafmaß soll am 6. November verkündet werden.

Richterin Diana Kavedza Mochache brauchte über acht Stunden, um ihre Begründung vorzutragen. Die Angeklagten hatten beteuert, niemand sei zum Fasten gezwungen worden. Das Gericht sah es anders: Die Sektenführung habe ein System aufgebaut und durchgesetzt, in dem Eltern ihren Kindern das Essen verweigern mussten, später auch das Trinken verboten war und Fluchtversuche unterbunden wurden. Die Toten wurden im Wald verscharrt, die Beerdigungen als „Hochzeiten“ mit Jesus gefeiert.

Mackenzie, früher Taxifahrer, hatte 2003 seine Kirche Good News International gegründet und seine Weltuntergangspredigten über einen eigenen Fernsehsender verbreitet. Schule und Medizin verteufelte er. Als die Behörden die Kirche 2019 schlossen, zog er mit seinen Anhängern in den Wald nahe der Küstenstadt Malindi. Erst 2023 flog das Grauen auf. Aus flachen Gräbern wurden später über 400 Leichen geborgen, nur 26 davon konnten identifiziert werden.

Für Angehörige ist das Urteil eine Erleichterung. Stephen Mwiti verlor alle sechs Kinder, seine frühere Frau gehört zu den Verurteilten. Er sei froh, dass alle schuldig gesprochen wurden, sagte er der BBC.

Abgeschlossen ist der Fall damit nicht. Mackenzie muss sich auch wegen Terrorvorwürfen verantworten, außerdem soll er aus der Haft heraus den Tod von 52 weiteren Menschen im Dorf Kwa Binzaro veranlasst haben, was er bestreitet. In Kenia wird erneut über eine strengere Aufsicht über Religionsgemeinschaften diskutiert. Präsident William Ruto hatte schon 2023 eingeräumt, der Staat hätte die Tragödie verhindern müssen.

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