Es sollte ihr erster Schritt in einen sicheren Beruf werden. Im Ausbildungszentrum al-Alam bei Ataq, der Hauptstadt der südjemenitischen Provinz Schabwa, lernten junge Männer aus mehreren Landesteilen das Handwerk von Polizei und innerer Sicherheit. Am Montag schlugen dort drei ballistische Raketen der Huthi-Miliz ein – nach Angaben der Behörden genau in dem Moment, als die Anwärter zum Appell angetreten waren.
Die Opferzahlen stiegen im Tagesverlauf dramatisch. Zunächst war von 18 Toten die Rede, später meldete die Provinzverwaltung mindestens 53 Tote und mehr als 200 Verletzte. In Ataq wurde dringend um Blutspenden gebeten; Schwerverletzte mussten in Kliniken in Hadramaut und Aden gebracht werden, weil die örtlichen Krankenhäuser an ihre Grenzen kamen. Einige der Verwundeten schweben nach Angaben der Behörden in Lebensgefahr.
Die Huthi bekannten sich zu dem Angriff. Ihr Militärsprecher Jahja Sari behauptete, man habe Truppen des „saudischen Feindes“ getroffen, das Lager werde von saudischen Offizieren geführt. Die international anerkannte Regierung widerspricht: Es habe sich um eine reine Ausbildungsstätte fernab der Front gehandelt. Informationsminister Moammar al-Irjani sprach von einem Kriegsverbrechen. Ratspräsident Raschad al-Alimi kündigte eine „entschlossene Antwort“ an und drängte UN-Generalsekretär António Guterres, die Miliz als Terrororganisation einzustufen.
Der Krieg im ärmsten Land der Arabischen Halbinsel war nach einer Waffenruhe von 2022 lange eingefroren. Seit September eskaliert er wieder: Die Huthi eroberten Küstenabschnitte an der Meerenge Bab al-Mandab, Regierungstruppen schlugen mit saudischer Luftunterstützung zurück, die Miliz feuert ihrerseits auf Flughäfen und Ölanlagen im Nachbarland. Das Gesundheitsministerium in Aden zählt seit Anfang August mindestens 1282 Tote. Auch die Gegenseite meldet Opfer: Bei einem saudischen Luftangriff in der nördlichen Provinz Saada sollen am Sonntag erneut Zivilisten ums Leben gekommen sein.
Schabwas Gouverneur Awad bin al-Wasir verlangt nun zusätzliche Flugabwehr. Zugleich wird gefragt, warum so viele Rekruten ungeschützt auf offenem Gelände versammelt waren.
