Die höchste Menschenrechtsauszeichnung der Europäischen Union geht in diesem Jahr nicht an eine einzelne Person, sondern an eine ganze Institution. Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2026 wird dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemeinsam verliehen. Parlamentspräsidentin Roberta Metsola gab die Entscheidung am Donnerstag im Plenarsaal in Straßburg bekannt, nachdem die Konferenz der Präsidenten – die Spitzen der Fraktionen – zugestimmt hatte.

Die Wahl ist ein deutliches politisches Signal in Richtung Washington. Erst wenige Tage zuvor hatte die US-Regierung neue, weitreichende Sanktionen gegen das Gericht in Den Haag verkündet. Bereits seit 2025 stehen Anklägerinnen, Richter und weitere Beschäftigte auf amerikanischen Sanktionslisten, weil der Gerichtshof unter anderem zu Vorwürfen gegen die USA und Israel ermittelt. Abgeordnete aus mehreren Fraktionen werten das als Angriff auf die internationale Justiz.

Metsola begründete die Auszeichnung damit, dass die EU auf Multilateralismus und starken internationalen Institutionen aufbaue. Der Preis würdige die Arbeit des Gerichts für das Völkerrecht. In Brüssel fordern Parlamentarier seit Längerem, dass die EU-Kommission ihr sogenanntes Abwehrgesetz aktiviert. Dieses Instrument könnte die Wirkung ausländischer Sanktionen innerhalb der Union aufheben und damit auch Personen schützen, die für den Strafgerichtshof tätig sind.

Das Gericht selbst reagierte dankbar. Die Ehrung komme in einer Phase beispielloser Herausforderungen, hieß es in einer Erklärung aus Den Haag. Ohne Gerechtigkeit gebe es keinen Frieden, und ohne Recht keine Sicherheit.

Der IStGH verfolgt Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das Verbrechen der Aggression. Er greift nur ein, wenn nationale Gerichte nicht handeln können oder wollen. Alle 27 EU-Staaten haben das Römische Statut unterzeichnet, auf dem das Gericht beruht.

Metsola nutzte den Moment zudem, um an den inhaftierten tansanischen Oppositionspolitiker Tundu Lissu sowie an die Iranerinnen Taraneh und Romina Rahimi zu erinnern. Überreicht wird der seit 1988 vergebene und nach dem sowjetischen Dissidenten Andrei Sacharow benannte Preis im Dezember in Straßburg.

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