Was früher in Hinterzimmern geschah, läuft jetzt offen über soziale Netzwerke: US-Außenminister Marco Rubio hat Menschen in Kuba aufgefordert, gemeinsam mit dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst auf einen politischen Wandel hinzuarbeiten. „Jetzt ist die Zeit“, schrieb der Sohn kubanischer Einwanderer am Freitag auf X. Wer von gebrochenen Versprechen, Korruption und den Privilegien einer kleinen Elite enttäuscht sei, solle die Gelegenheit nutzen – über eine „diskrete Partnerschaft“ mit der CIA.

Der Dienst selbst legte kurz darauf nach. Er verbreitete Rubios Botschaft weiter und stellte ein spanischsprachiges Video ins Netz, das Schritt für Schritt erklärt, wie man mit ihm Kontakt aufnimmt. Empfohlen wird zunächst der persönliche Gang zu einer US-Vertretung, sofern das gefahrlos möglich ist. Wer lieber online schreibt, soll VPN, privaten Browsermodus und eine eigens angelegte Mailadresse ohne persönliche Daten verwenden und Wohnort, Beruf und Zugang zu Informationen angeben.

Kurz zuvor hatte Präsident Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Südflorida angedeutet, Kriegsschiffe könnten auf dem Rückweg aus dem Iran-Konflikt vor Kuba haltmachen; Rubio werde dann „den Deal zu Ende bringen“. Wenige Tage vor den Zwischenwahlen ist das auch eine Botschaft an die exilkubanische Wählerschaft in Florida.

In Havanna reagierte man mit Hohn. Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossío sprach von öffentlicher Mitarbeiterwerbung und meinte, der Geheimdienst müsse ziemlich verzweifelt sein, wenn er sich anpreise wie eine Tube Zahnpasta. Außenminister Bruno Rodríguez erinnerte daran, dass die Küsten der Insel nicht nur schöne Strände hätten, sondern auch scharfkantige Felsen für Leute mit feindlichen Absichten.

Der Ton zwischen beiden Ländern verschärft sich seit Monaten. Washington blockiert seit Januar faktisch Treibstofflieferungen an die Insel, in Florida liegt inzwischen ein Haftbefehl gegen den 95-jährigen Ex-Präsidenten Raúl Castro vor, und erst vergangene Woche kamen Sanktionen gegen eine staatliche kubanische Bank hinzu. Für die Bevölkerung bedeutet das lange Schlangen vor Bäckereien, Stromausfälle und knappe Medikamente. Die Erinnerung an die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht 1961 macht den offenen CIA-Aufruf in Kuba zusätzlich brisant.

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