Der Krieg zwischen dem Jemen und seinem nördlichen Nachbarn hat am Dienstag eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen erklärten, sie hätten mit einer ballistischen Rakete die Raffinerie Ras Tanura am Persischen Golf getroffen – die größte Anlage dieser Art im Königreich. Ihr Militärsprecher Yahya Saree sprach von einem Brand auf dem Gelände.
Riad hat den Treffer bislang nicht offiziell bestätigt. Laut Bloomberg, das sich auf eine mit der Sache vertraute Person beruft, ist ein Feuer in der Nähe des Exportterminals in den frühen Morgenstunden jedoch unter Kontrolle gebracht worden. Wie groß der Schaden an den Anlagen des Staatskonzerns Saudi Aramco ist, blieb zunächst offen.
Die Bedeutung des Ziels ist kaum zu überschätzen. Ras Tanura verarbeitet rund 550.000 Barrel pro Tag, und fast das gesamte saudische Rohöl verlässt das Land entweder hier oder über Yanbu am Roten Meer. Beide Häfen standen schon früher im Visier der Miliz. Zu Beginn des Iran-Kriegs vor acht Monaten war Ras Tanura vorsorglich zeitweise heruntergefahren worden.
Auch an anderen Fronten meldeten die Huthi Angriffe: auf zwei Militärtransporter am Flughafen Nadschran und auf einen Luftwaffenstützpunkt in Chamis Muschait. Am Nachmittag heulten in Riad kurz die Sirenen; die von Saudi-Arabien geführte Koalition gab an, zwei auf die Hauptstadt gerichtete Raketen abgefangen zu haben. Im Süden des Jemen wird zudem um die Zugänge zur Meerenge Bab al-Mandab gekämpft, einen Schlüsselweg für Tanker.
Der 2022 unter UN-Vermittlung vereinbarte Waffenstillstand ist damit endgültig Makulatur. Diplomatisch versuchen Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan zwar seit Montag in Teheran, die Lage zu beruhigen. Ägyptens Parlament hat sein Militär aber bereits ermächtigt, Saudi-Arabien auf Wunsch beizustehen – ein Zeichen, wie ernst die Region die Gefahr eines Flächenbrands nimmt.
