Tief unter der Oberfläche südlich von Tasmanien spielt sich Jahr für Jahr ein Naturschauspiel ab, das bisher kaum jemand beziffern konnte. Ein Team um den Meeresforscher Ben Scoulding von der australischen Forschungsbehörde CSIRO hat nun berechnet, wie viele Tiere sich dort treffen: rund 2,8 Millionen Korbflechtaale, zusammen etwa 3.500 Tonnen schwer.
Schauplatz ist der Patience Seamount, ein kleiner Unterwasserberg im Meeresschutzgebiet Huon Marine Park. Die Aale der Art Diastobranchus capensis werden bis zu 1,8 Meter lang; ihren Namen verdanken sie einem feinen Gittermuster auf der Haut, das an alte geflochtene Körbe erinnert. Fischer kannten den Ort schon seit den 1980er-Jahren und nannten ihn „Eel Hill“, weil ihnen die Tiere bei der Jagd auf Granatbarsch immer wieder als Beifang ins Netz gingen.
Zwischen 2023 und 2025 untersuchten die Forscher das Gebiet unter anderem vom Forschungsschiff RV Investigator aus. Sie kombinierten Sonarmessungen mit Unterwasserkameras und Proben, denn das Echolot allein kann Aale und Granatbarsche nicht unterscheiden. Die höchsten Zahlen zeigen sich im australischen Herbst, und gefangene Tiere beiderlei Geschlechts waren laichbereit.
Nach Angaben der im Fachjournal Royal Society Open Science veröffentlichten Studie ist dies das einzige bekannte Laichgebiet einer rein ozeanischen Tiefseeaal-Art weltweit. Rätselhaft bleibt, warum die Tiere ausgerechnet diesen Berg wählen: In der Umgebung gibt es rund 120 ähnliche Erhebungen, doch keine zieht vergleichbare Massen an. Scoulding räumt ein, man habe gute Hypothesen, aber noch keine endgültige Antwort.
Weitere Studien sollen klären, woher die Aale kommen und wohin ihr Nachwuchs anschließend treibt.
