Selten hat eine Nachrichtensendung so begonnen. Am Montagnachmittag eröffnete der öffentlich-rechtliche Sender Radio-Televizija Vojvodine (RTV) aus Novi Sad seine Hauptausgabe mit Jubelbildern, die er am Wahlabend selbst nicht gezeigt hatte: feiernde Menschen in den Straßen, nachdem die Bewegung Studentska lista die Parlamentswahl vom Sonntag gewonnen hatte. Danach verlas Moderator Goran Eror eine Erklärung, die in Serbien für Aufsehen sorgt.

Der öffentliche Rundfunk habe seine Aufgabe über viele Jahre nicht erfüllt, sagte Eror. Man habe geschwiegen, weggeschaut, einseitig und unkritisch berichtet und die richtigen Fragen nicht gestellt. Dafür schulde man dem Publikum eine Entschuldigung. Ein Teil der Belegschaft habe zwar für freies und ethisches Arbeiten gekämpft, diesen Kampf aber nicht rechtzeitig gewonnen.

Personelle Folgen gab es sofort. Nenad Čačić, kommissarischer Chefredakteur des ersten Programms, trat auf Wunsch von Mitarbeitern und Generaldirektor Goran Karadžić zurück. Blažo Popović übernimmt seinen Posten, Predrag Novković wird Programmdirektor. Die Gewerkschaft Nezavisnost hatte Čačićs Ablösung schon vor einem Jahr verlangt.

Der Druck richtet sich nun auf den nationalen Sender RTS in Belgrad, der seine Liveberichte aus der Hauptstadt am Wahlabend einstellte, kaum dass Aleksandar Vučić seine Niederlage eingeräumt hatte. Die Studenten fordern den Rücktritt der gesamten Nachrichtenspitze. Beim regierungsnahen Kanal Informer TV drangen am Montagabend rund 30 Protestierende in den laufenden Betrieb ein und umringten Eigentümer Dragan Vučićević.

Die Studentenliste kommt nach vorläufigen Zahlen auf knapp 53 Prozent und rund 140 der 250 Sitze, genug für eine Alleinregierung. Sie hat eine Reform von Medienaufsicht und öffentlichem Rundfunk angekündigt. Wann eine neue Regierung steht, ist noch offen, die führungslose Bewegung will in diesen Tagen einen Kandidaten für das Amt des Premierministers benennen. Nötig wäre die Medienreform allemal: In der Rangliste der Reporter ohne Grenzen fiel Serbien zuletzt auf Platz 104 von 180.

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