Wer an die Kreidezeit denkt, hat meist Fleischfresser wie Tyrannosaurus rex oder gewaltige Pflanzenfresser vor Augen. Ein Fund aus dem Westen der USA ergänzt dieses Bild um einen eher ungewöhnlichen Feinschmecker. Ein Team um den Paläontologen Greg Funston von der Stony Brook University hat in der Fachzeitschrift Nature Communications eine neue Art namens Infernogallus jamesi vorgestellt. Nach Ansicht der Forscher ist sie der erste bekannte Dinosaurier, der gezielt Früchte fraß.

Der Name bedeutet so viel wie „Höllenhuhn“ und spielt auf die Hell-Creek-Formation an, in der die Knochen lagen. Dort lebte das Tier vor rund 68 bis 66 Millionen Jahren Seite an Seite mit T. rex und Triceratops. Es war etwa so groß wie ein Truthahn, wog rund zwölf Kilogramm, trug Federn und einen zahnlosen Schnabel. Es gehört zu den Caenagnathiden, einer Gruppe, die sich ursprünglich aus fleischfressenden Vorfahren entwickelt hat.

Entscheidend ist der Schädel, der fast vollständig erhalten ist, ein Glücksfall, denn von dieser Gruppe kannte man bislang keinen einzigen. Computertomografien zeigen, dass die Knochen des Gaumens nach unten in die Mundhöhle ragten. Dadurch zogen bestimmte Kaumuskeln von vorn nach hinten statt von oben nach unten. Der Unterkiefer konnte so hin- und hergleiten und weiche Nahrung zwischen Rillen und Leisten zerreiben. Eine vergleichbare Anordnung findet man heute nur bei Papageien, die sich von Obst ernähren.

Die Forscher vermuten, dass das Tier vor allem fleischige Steinfrüchte bearbeitete und deren Fruchtfleisch vom harten Kern löste. „Wir hätten nie damit gerechnet, fruchtfressende Dinosaurier zu entdecken“, sagt Funston. Bemerkenswert ist auch der zeitliche Zusammenhang: Laut der Studie entfalteten sich die Caenagnathiden ungefähr in der Phase, in der Blütenpflanzen größere und vielfältigere Früchte hervorbrachten. Ob die Tiere ihrerseits zur Verbreitung dieser Pflanzen beitrugen, ist noch offen. Schädel und Teilskelett sind im Royal Ontario Museum in Toronto ausgestellt.

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