Dass Knochen Jahrmillionen überdauern, ist bekannt. Dass darin auch Reste von Blut erhalten bleiben könnten, galt bisher als höchst umstritten. Ein internationales Team unter Leitung der Geochemikerin Kliti Grice von der australischen Curtin University berichtet nun in der Fachzeitschrift PNAS genau davon: In den Gliedmaßenknochen eines kleinen Raubdinosauriers aus dem Nordosten Brasiliens fanden die Forscher winzige, ovale Strukturen, die sie als versteinerte rote Blutkörperchen deuten.
Das Tier trägt den Namen Aratasaurus museunacionali, war etwa drei Meter lang und lebte vor rund 115 Millionen Jahren. Nach seinem Tod sank der Kadaver offenbar in sauerstoffarmes Wasser und wurde von einem dichten Teppich aus Mikroben überwachsen. Diese Umstände könnten den üblichen Zerfall gebremst haben.
Entscheidend ist für das Team die Chemie. Mit Massenspektrometrie und Raman-Spektroskopie wiesen die Forscher Häm nach, jenen eisenhaltigen Baustein des Hämoglobins, der Sauerstoff transportiert. Das umgebende Gestein enthielt dagegen vor allem Abbauprodukte von Chlorophyll aus Pflanzen und Bakterien. Weil die Verteilung im Knochen genau umgekehrt war, schließen die Autoren eine Verunreinigung von außen weitgehend aus. Ein Manganmineral namens Hausmannit soll die Zellen wie eine Kapsel stabilisiert haben.
Nicht alle Fachleute sind überzeugt. Die Molekularpaläontologin Mary Schweitzer von der North Carolina State University lobt zwar die Sorgfalt der Arbeit, zweifelt aber an der Deutung. Rote Blutkörperchen von Vögeln und Reptilien besitzen einen Zellkern, der eine typische Wölbung erzeugt – davon sei auf den Bildern nichts zu sehen. Auch die Größe passe nicht recht.
Sollte sich der Befund bestätigen, wäre er weit mehr als eine Kuriosität: Fossilien könnten dann Auskunft über Stoffwechsel und Sauerstoffversorgung längst ausgestorbener Tiere geben.
