Jeden Montag holten sich die wenigen verbliebenen Bewohner von Komyschuwacha in der Schule ihres Dorfes Lebensmittel und andere Hilfsgüter ab. Genau dort schlugen an diesem Montag russische Fliegerbomben ein. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes kamen mindestens 26 Menschen ums Leben, fünf wurden verletzt. Unter den Toten sind zwei Retter und vier Polizisten.
Präsident Wolodymyr Selenskyj schilderte den Ablauf in seiner abendlichen Videobotschaft: Die erste Welle traf die Schule, als die Menschen gerade eintrafen. Danach seien weitere Bomben auf den Schutzraum gefallen, in den sich Überlebende geflüchtet hatten. Auch Rettungskräfte, die bereits vor Ort waren, wurden von diesem zweiten Angriff erfasst. Die Behörden nannten die beiden getöteten Helfer, Denys Konowalenko und Oleksij Suschtschewskyj, beide 44 Jahre alt. Selenskyj sprach von einem „außergewöhnlich grausamen“ Schlag und betonte, Moskau habe gewusst, wozu das Gebäude diente.
Das Dorf im Südosten der Region Saporischschja liegt nahe der Front. Unterricht fand in der Schule längst nicht mehr statt, sie diente nur noch als Notunterkunft und Verteilstelle. Zerstört wurden eine Turnhalle, ein Nebengebäude und ein Löschfahrzeug.
Bitter ist der Zeitpunkt. Nur Stunden zuvor war in der Nachbarregion Cherson eine sechstägige humanitäre Waffenruhe rund um die besetzte Stadt Oleschky ausgelaufen, die die US-First-Lady Melania Trump vermittelt hatte. Es war die längste Pause der Kämpfe seit Beginn der russischen Großinvasion 2022; gut 170 Zivilisten konnten in dieser Zeit in Sicherheit gebracht werden. Kiew hatte darin ein mögliches Signal für weitere Schritte gesehen. Der ukrainische Generalstab wirft Russland nun vor, die Ruhe genutzt zu haben, um Truppen auszutauschen und Stellungen auszubauen.
Selenskyj zog eine nüchterne Bilanz: Moskau wolle keine Deeskalation, sondern setze auf weitere Tote.
