Eine Woche nach den schwersten Krawallen seit Jahrzehnten sind in Frankreich erneut Zehntausende auf die Straße gegangen. Schüler, Studierende, Gewerkschaften und die wiedererstarkten Gelbwesten protestierten am Samstag gegen hohe Lebenshaltungskosten, marode Schulen und niedrige Löhne. Der Staat setzte diesmal auf maximale Präsenz: Rund 70.000 Polizisten und Gendarmen waren im Einsatz, in Paris und Marseille rollten sogar gepanzerte Fahrzeuge auf.

Bis zum frühen Nachmittag zählte Innenminister Laurent Nuñez etwa 35.000 Teilnehmer an 136 Aktionen. Am Samstag davor waren es zur gleichen Uhrzeit noch 60.000 Menschen und 264 Kundgebungen gewesen. 135 Personen wurden festgenommen, die meisten nach Kontrollen auf dem Weg zu den Märschen. Allein im Großraum Paris gab es über tausend Überprüfungen; sichergestellt wurden unter anderem Metallkugeln, Feuerwerksmörser, Softair-Waffen und ein Katana-Schwert. „Wir werden keine Unordnung zulassen“, sagte Nuñez.

Ganz friedlich blieb es nicht. In Lyon, Nantes, Toulouse, Lille und Clermont-Ferrand setzten Einsatzkräfte Tränengas ein, in Nantes auch einen Wasserwerfer, als Gruppen in gesperrte Zonen vordringen wollten. In Bordeaux meldete die Präfektur Barrikaden und Wurfgeschosse. In Paris verlegten die Behörden den Zug an den Stadtrand, von der Porte d’Italie zur Porte de Vincennes; dort sei „alles ruhig“, teilte die Polizeipräfektur mit. In Orléans demonstrierten zeitgleich 13.000 Menschen gegen den Parteitag des Rassemblement National.

Die Wut richtet sich vor allem gegen Präsident Emmanuel Macron. Eine 26-Jährige erzählte der BBC von einem Schulgebäude, in dem es im Winter zog und im Sommer 35 Grad warm wurde. Ein Ende ist nicht in Sicht: Die Gelbwesten rufen schon für den 31. Oktober zu neuen Aktionen auf, die Gewerkschaften planen Streiks im November.

Auch Italien stand unter Hochspannung. Die Regierung von Giorgia Meloni schickte zusätzlich 500 Soldaten nach Mailand, wo es am vergangenen Wochenende Plünderungen gegeben hatte. Vor den Märschen in Rom, Mailand, Turin und Neapel durchsuchte die Polizei mehr als 150 Wohnungen und Räume.

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