Mehr als eine halbe Stunde lang zerrte der Fisch an der Schnur, bevor Oliver Schäfer ihn zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Erst da begriff der 34-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, mit welchem Gegner er es zu tun hatte. Sein niederländischer Teampartner Kevin Cremers hielt das Boot gegen den Wind auf Kurs, während Schäfer drillte. Am Ufer maßen die Schiedsrichter des Raubfisch-Turniers im südpolnischen Rybnik schließlich 292 Zentimeter.

Rund 150 Angler in 70 Teams aus ganz Europa waren am 10. und 11. Oktober angetreten. Für den Turniersieg reichte der Monsterwels trotzdem nicht, denn gewertet wurde nach Gesamtpunkten. Das Duo landete auf Platz zwei. Der Fisch selbst durfte nach Fotos und Vermessung zurück ins Wasser, auf einer Plane an Land gebracht, damit seine schützende Schleimschicht keinen Schaden nimmt.

Die Geschichte hat eine Pointe. Unter Anglern gilt als sicher, dass es exakt derselbe Wels ist, den die Polen Krzysztof Pyra und Adrian Gontarz beim selben Turnier im Oktober 2025 gefangen hatten. Auch damals zeigte das Maßband 2,92 Meter. Gewachsen ist das Tier also nicht, nur deutlich fülliger geworden. Ein Zentimeter mehr, und der Rekord hätte neue Namen bekommen, scherzten die Veranstalter.

Offizielle Längenrekorde gibt es ohnehin nicht, der internationale Sportfischerverband führt Bestmarken nach Gewicht. Zum Vergleich: Ein Italiener holte 2023 einen 2,85-Meter-Wels aus dem Po. Dass gerade Rybnik solche Giganten hervorbringt, liegt am Kohlekraftwerk am Ufer, das sein Kühlwasser in den See leitet. Das warme Wasser gefällt dem Wels, Europas größtem heimischen Süßwasserfisch und Fisch des Jahres 2026. Der Wels kann bis zu drei Meter lang und 150 Kilo schwer werden, frisst vor allem Fische und breitet sich mit steigenden Wassertemperaturen in Deutschland weiter aus. Schäfer träumt deshalb weiter vom Drei-Meter-Exemplar – es fehle nur noch „eine Handbreit“, sagte er.

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