Zwei Tage nach seiner Niederlage in der Stichwahl ist Flávio Bolsonaro für die brasilianischen Behörden plötzlich schwer greifbar. Bis Dienstag um 11 Uhr hätte der Senator seinen normalen und seinen diplomatischen Reisepass bei der Bundespolizei abgeben müssen. Er tat es nicht. Die Polizei reagierte, indem sie beide Dokumente in ihrem System sperrte.

Angeordnet hatte die Abgabe am Montag Alexandre de Moraes, Richter am Obersten Gericht. Er untersagte dem 45-Jährigen zugleich, Brasilien zu verlassen. Hintergrund sind Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche; Bolsonaro bestreitet jedes Fehlverhalten. Bereits zuvor lief gegen ihn ein Verfahren rund um die Finanzierung eines Films über seinen Vater, den wegen Putschplänen verurteilten und unter Hausarrest stehenden Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Am Dienstag kam auf Anordnung des Gerichts noch eine Prüfung möglicher Auslandsgelder für seinen Wahlkampf hinzu.

Wo sich der Politiker aufhält, war am Abend unklar. Argentinische Medien berichteten, er sei mit einem Personalausweis über die Grenze nach Puerto Iguazú gelangt und wolle per Privatjet in die USA weiterreisen. Belege dafür gibt es bislang nicht: Die Bundespolizei hat nach Angaben der staatlichen Agência Brasil keinen offiziellen Eintrag über eine Ausreise, und auch Argentinien meldete keine registrierte Einreise. Beamte überprüfen nun die Grenzübergänge. Die Polizei will Moraes formell über die Missachtung seiner Anordnung informieren.

Politisch ist die Lage ohnehin angespannt. Am Montag hatte Bolsonaro noch versichert, er bleibe im Land und führe die Opposition gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva an. Lula hatte am Sonntag mit 51,79 Prozent gewonnen und als erster Kandidat eine Niederlage im ersten Wahlgang gedreht. Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an und verlangt eine Annullierung, weil die Wahllokale zwei Stunden länger offen blieben. Seine eigene Liberale Partei hat den Ausgang jedoch akzeptiert.

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