Seit dem 1. November gibt es in der Westsahara keine UN-Friedensmission mehr. Die Beobachter der MINURSO, die 1991 mit dem Auftrag ins Land kamen, eine Volksabstimmung über die Zukunft des Gebiets vorzubereiten, beginnen mit dem Abbau ihrer Stützpunkte. Ein Referendum hat es in all den Jahrzehnten nie gegeben.

Das Aus kam nicht geplant, sondern als Folge eines Patts im Sicherheitsrat. Am Freitag lagen dort zwei Entwürfe auf dem Tisch. Die USA wollten das Mandat um ein Jahr verlängern und die Mission zugleich umbenennen – das „R“ für Referendum sollte aus dem Namen verschwinden. Elf Staaten stimmten dafür, doch Russland legte sein Veto ein. Moskau warnte davor, einseitige Lösungen durchzudrücken; Botschafter Wassili Nebensja sprach von einem Weg in die Sackgasse. Der russische Gegenentwurf, der schlicht eine Verlängerung bis Oktober 2027 vorsah, bekam nur drei Ja-Stimmen und scheiterte ebenfalls, auch am Nein der USA. Um Mitternacht zum Sonntag lief das Mandat aus.

Die Westsahara, ein dünn besiedeltes Wüstengebiet an der Atlantikküste Nordwestafrikas mit Phosphatvorkommen und reichen Fischgründen, war bis in die Siebzigerjahre spanische Kolonie. Marokko beansprucht sie für sich und bietet seit 2007 eine Autonomie unter marokkanischer Oberhoheit an. Die Unabhängigkeitsbewegung Polisario, unterstützt von Algerien, lehnt das ab.

Zuletzt zählte die Mission rund 200 Zivilkräfte, Militärbeobachter und Stabsoffiziere aus mehr als 35 Ländern. Das Hauptquartier lag in Laâyoune, dazu kamen neun Außenposten beiderseits des marokkanischen Sandwalls und ein Verbindungsbüro im algerischen Tindouf. Ein kleines Team soll nun Material und Ausrüstung abwickeln.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich besorgt über die Sicherheitslage und rief alle Seiten zu größter Zurückhaltung auf. Das Recht der Sahrauis auf Selbstbestimmung bleibe vom Ende der Mission unberührt, ließ er erklären. Die politischen Vermittlungen soll sein persönlicher Gesandter Staffan de Mistura fortsetzen. Frankreich und Großbritannien hatten vor einem abrupten Abzug gewarnt.

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