Die Nacht nach den Zwischenwahlen hat Washington neu sortiert. Nach Hochrechnungen der Sender NBC und CBS übernehmen die Demokraten im Januar beide Kammern des Kongresses. Zuletzt war einer Oppositionspartei ein solcher Doppelschlag im Jahr 2006 gelungen, damals gegen George W. Bush.
Im Senat, wo die Republikaner bisher 53 der 100 Sitze hielten, reichte es für die Demokraten nicht nur knapp. Sie eroberten republikanische Mandate in Iowa, Ohio und Kansas, in beiden Carolinas und in Texas, also fast durchweg in Staaten, die Donald Trump zuvor deutlich gewonnen hatte. Besonders symbolträchtig ist Texas: Dort setzte sich der Landtagsabgeordnete James Talarico gegen Generalstaatsanwalt Ken Paxton durch, im teuersten Rennen dieses Wahljahres. Georgia und New Hampshire konnten die Demokraten zugleich verteidigen.
Noch klarer fiel das Ergebnis im Repräsentantenhaus aus. NBC rechnet mit etwa 255 demokratischen Abgeordneten, nötig sind 218. Sogar der Republikaner Richard Hudson aus North Carolina, als Chef der Wahlkampforganisation seiner Partei für den Schutz der Mehrheit zuständig, verlor seinen Sitz. Hakeem Jeffries dürfte am 3. Januar als erster Schwarzer zum Sprecher der Kammer gewählt werden, Chuck Schumer kehrt wohl an die Spitze des Senats zurück.
Als Gründe nennen Wählerbefragungen vor allem die Lebenshaltungskosten, die seit dem Iran-Krieg gestiegenen Spritpreise und den Wunsch nach mehr Kontrolle. 43 Prozent gaben an, mit ihrer Stimme auch gegen Trump votiert zu haben; 71 Prozent fanden, der Kongress beaufsichtige den Präsidenten zu wenig. Trump selbst wies jede Verantwortung von sich und schrieb, er habe ja nicht auf dem Stimmzettel gestanden, sonst hätte es einen Erdrutschsieg gegeben.
Für seine letzten beiden Amtsjahre bedeutet das Ergebnis einen harten Einschnitt. Die neue Mehrheit kann Ausschüsse besetzen, Zeugen vorladen, Gesetze blockieren und im Senat Personalvorschläge des Weißen Hauses ablehnen. Jeffries kündigte an, man wolle unter anderem Kürzungen bei Medicaid rückgängig machen, die Zollpolitik wieder stärker an den Kongress binden und den Krieg mit dem Iran beenden. Ob es auch ein Amtsenthebungsverfahren geben könnte, ließ er ausdrücklich offen.
