Kurz vor der Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya legt die Weltgesundheitsorganisation eine Rechnung vor, die Regierungen aufhorchen lassen soll. Würden sechs bereits erprobte Maßnahmen weltweit umgesetzt, ließen sich nach Modellrechnungen der WHO jedes Jahr rund 1,6 Millionen Todesfälle vermeiden. Das entspricht etwa jedem vierzigsten Sterbefall auf der Erde.
Spektakulär klingt davon nichts, und genau das ist der Punkt. Die Liste ist bewusst bodenständig: Frühwarnsysteme bei Hitze, eine Trinkwasserversorgung, die Dürren und Fluten übersteht, einfache Sanitäranlagen, Möglichkeiten zum Händewaschen, saubere Herde und Heizungen in Privathaushalten sowie Energiepreise, in denen die Gesundheitsschäden fossiler Brennstoffe enthalten sind.
Den größten Effekt hätte laut dem Bericht der letzte Punkt. Wer ineffiziente Subventionen streicht und Kohle, Öl und Gas angemessen besteuert, könnte vor allem über sauberere Luft etwa 1,2 Millionen Menschenleben im Jahr retten. Als besonders lohnend gelten Hitzewarnsysteme, weil sie auf vorhandene Strukturen aufbauen: Pro investiertem Dollar rechnet die WHO hier mit einem Nutzen von 835 Dollar. Über fünf der sechs Maßnahmen gemittelt liegt das Verhältnis bei eins zu 24.
Auch finanziell beziffert die Organisation die Wirkung groß: Jährlich 3,9 Billionen Dollar an wirtschaftlichem Wohlfahrtsgewinn und weitere 5,4 Billionen Dollar an Staatseinnahmen. Zudem ließen sich 16,7 Milliarden Tonnen CO₂ einsparen. Am stärksten profitieren würden ärmere Länder, in denen Hitze, verschmutztes Wasser und Rauch aus offenen Feuerstellen heute besonders viele Opfer fordern. Weltweit leben nach WHO-Angaben 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen in Regionen, die dem Klimawandel stark ausgesetzt sind. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nennt die Klimakrise „eine Gesundheitskrise“, deren Folgen sich vielfach mit vorhandenen Mitteln abwenden ließen.
Die Autoren räumen ein, dass ihre Szenarien bis 2075 ehrgeizig angelegt sind und Langfristprognosen Unsicherheiten bergen. Die Konferenz in Antalya beginnt am 9. November.
