Die stärksten Regenereignisse der Erde liefern etwa die Hälfte des jährlichen Niederschlags – und sie werden kürzer, seltener und heftiger. Das ist das zentrale Ergebnis einer Auswertung, die Chiyuan Miao und Kollegen der Beijing Normal University in der Fachzeitschrift Earth’s Future vorgestellt haben. Grundlage waren Tageswerte von mehr als 19.000 Regenmessern weltweit für die Jahre 1980 bis 2022. Die Arbeit ordnet damit eine Entwicklung, die Hochwasserplaner und Landwirte schon länger spüren, in klare Zahlen.

Im Mittel, so die Forscher, fallen rund fünfzig Prozent des globalen Jahresregens in etwa neun mehrtägigen Starkregenphasen, verteilt über zusammengenommen ungefähr 28 Tage. Seit 1980 hat sich die typische Dauer eines solchen Ereignisses um etwa 86 Minuten pro Jahrzehnt verkürzt. Dadurch schrumpft die Zeitspanne, in der die Hälfte des Jahresniederschlags niedergeht, um gut neuneinhalb Stunden. Europa und Südamerika zeigen die schärfste Stauchung; dort verlieren die nassesten Systeme bis zu gut zwei Stunden Dauer je Dekade. Andere Kontinente folgen demselben Muster, nur langsamer.

Weniger Tage mit Extremregen klingt zunächst entlastend, meint jedoch das Gegenteil: Dieselbe Wassermenge trifft in engeren Zeitfenstern. Flüsse und Kanalisation reagieren mit Sturzfluten, Böden erodieren schneller, und längere trockene Intervalle dazwischen können Dürren und Waldbrandgefahr verschärfen. Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung stehen damit vor einem doppelten Risiko – zu viel Wasser auf einmal, zu wenig dazwischen. Städte mit alten Abwassernetzen und Regionen ohne große Speicher sind besonders verwundbar.

Die Studie beschreibt regionale Unterschiede, aber den Trend auf allen Kontinenten. Für Planer heißt das: Hochwasserschutz, Speicher und Frühwarnsysteme müssen nicht nur größere Spitzen aushalten, sondern auch unregelmäßigere Lieferungen. Die nassesten Stürme der Welt werden also nicht zahlreicher – sie werden dichter gepackt, und das verändert, wie Gesellschaften mit Wasser umgehen müssen.

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