Hubschrauber über überfluteten Dächern, Autos, die sich zu Haufen türmen, und Menschen, die auf Tischen ausharren: An der spanischen Mittelmeerküste zwischen Gandia und Dénia hat das Sturmtief Adam am Montag schwere Überschwemmungen ausgelöst. Spanische Medien melden vier Todesopfer, die Nachrichtenagentur Reuters zählte zunächst drei.
In Oliva bargen Soldaten der Katastrophenschutzeinheit UME eine 79 Jahre alte Frau tot aus ihrem Haus, auf einem Campingplatz starb ein Mann. Bereits am Wochenende war in Sagunto eine Frauenleiche an den Strand gespült worden, bei Barcelona riss das Wasser eine weitere Frau mit.
Die Regenmengen sprengen jede Vorstellung. Der Wetterdienst AEMET registrierte in Pego innerhalb von 36 Stunden 632 Liter pro Quadratmeter – in Berlin fällt im ganzen Jahr weniger. Am Strand von Oliva kamen in einer Stunde fast 132 Liter herunter. Die Flüsse Serpis und Girona traten über die Ufer.
Mehr als 2000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Retter flogen Dutzende Einsätze von Dächern und Autodächern, in Gandia zogen Polizisten eine 93-Jährige auf einem Stand-up-Paddle-Brett aus ihrer Wohnung, in der das Wasser anderthalb Meter hoch stand. Am Morgen galt für rund 850.000 Einwohner in 145 Gemeinden die Anweisung, zu Hause zu bleiben. Bis zum Nachmittag wurde sie auf acht Orte eingeschränkt. Etwa 100.000 Schüler hatten unterrichtsfrei. Das Rote Kreuz richtete in Sporthallen Notunterkünfte ein, unter anderem für Urlauber, die von überfluteten Campingplätzen geholt wurden. Auch auf den Balearen herrschte Alarmstufe Rot, auf Ibiza blieb die Straße zum Flughafen gesperrt.
Für viele Bewohner weckt das Bilder an den Oktober 2024, als eine ähnliche Wetterlage in der Region Valencia mehr als 230 Menschen tötete. Meteorologen sehen in der Häufung solcher Extremereignisse eine Folge des Klimawandels. Entwarnung gibt es nicht: Das Tief sollte im Laufe des Abends nach Katalonien weiterziehen, wo auf bereits gesättigte Böden binnen zwölf Stunden über 100 Liter pro Quadratmeter fallen könnten.
