Zwischen dem Ararat am Horizont und dem Sewansee im Hinterland ist Armenien in diesen Tagen Gastgeber für eine Weltkonferenz, bei der es um nichts weniger als die Zukunft von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen geht. In Eriwan hat Regierungschef Nikol Paschinjan am Sonntag die 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt eröffnet. Bis zum 30. Oktober verhandeln Delegationen aus aller Welt.
Im Mittelpunkt steht eine Art Zwischenzeugnis. 2022 hatte sich die Staatengemeinschaft im kanadischen Montreal auf das Kunming-Montreal-Rahmenabkommen geeinigt: 23 Ziele bis 2030, vier langfristige bis 2050. Das bekannteste lautet, bis Ende des Jahrzehnts 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. In Eriwan wird nun erstmals offiziell geprüft, wie weit die Länder gekommen sind. Den Vorsitz führt Armeniens Umweltminister Hambardsum Matewosjan; sein Land hat den eigenen überarbeiteten Aktionsplan im April vorgelegt.
Die Zwischenbilanz fällt gemischt aus. Zwar haben fast 90 Prozent der 196 Vertragsparteien nationale Ziele formuliert, und die Zahl der überarbeiteten Aktionspläne hat sich binnen eines Jahres etwa verdoppelt. Doch weniger als die Hälfte der überprüften nationalen Ziele liegt laut einem UN-Bericht im Plan. Besonders beim Geld hakt es: Eine Etappe für öffentliche Zahlungen an Entwicklungsländer im Jahr 2025 wurde nach UN-Einschätzung „wahrscheinlich nicht erreicht“, und von 200 Milliarden Dollar jährlich ist die Welt weit entfernt. Streit wird vor allem darüber erwartet, wer künftige Naturschutzgelder verwaltet.
UN-Generalsekretär António Guterres nannte Eriwan einen „Moment der Rechenschaft“. Paschinjan erinnerte an Überschwemmungen, Waldbrände und aussterbende Arten. Sie zeigten, dass das Wohl der Menschen und gesunde Ökosysteme nicht zu trennen seien.
Nicht am Verhandlungstisch sitzen die USA: Sie haben die Konvention zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert.
