Peking kann aufatmen, zumindest auf dem Papier. Zwischen Juli und September legte Chinas Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent zu. Im zweiten Quartal waren es nur 4,3 Prozent gewesen, der schwächste Wert seit drei Jahren. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit etwas weniger gerechnet.

Rechnet man die ersten neun Monate zusammen, ergibt sich ein Plus von 4,6 Prozent – das liegt im Zielkorridor der Regierung von 4,5 bis 5 Prozent. Getragen wird das Wachstum von der Industrie: Die Hightech-Fertigung wuchs laut Statistikamt um gut 14 Prozent, bei Industrierobotern, Lithium-Ionen-Akkus und 3D-Druckern meldete die Behörde Zuwächse zwischen knapp 30 und über 60 Prozent. Im September erreichte der Handelsüberschuss mit 133,5 Milliarden Dollar einen Rekord.

Im Inland sieht es dagegen trüber aus. Die Investitionen in neue Wohnprojekte brachen in den ersten neun Monaten um mehr als 20 Prozent ein, die Anlageinvestitionen insgesamt sanken um 7,2 Prozent. Der Einzelhandel kam im September nur auf ein Plus von 1,1 Prozent. Auffällig ist die Preisentwicklung: Die Erzeugerpreise stiegen um 5 Prozent, so stark wie seit über vier Jahren nicht, die Verbraucherpreise dagegen um weniger als ein Prozent. Viele Unternehmen bleiben also auf ihren höheren Kosten sitzen.

Ökonomen bewerten die Zahlen unterschiedlich. Tianchen Xu von der Economist Intelligence Unit traut China für das Gesamtjahr 4,7 Prozent zu. Sheana Yue von Oxford Economics sieht dagegen keine Trendwende am Immobilienmarkt, der den Wohlstand vieler Familien schrumpfen lässt. Der Cornell-Professor Eswar Prasad befürchtet, dass die Regierung sich nun mit nötigen Reformen Zeit lässt.

Kleinere Hilfen sind bereits unterwegs: gezielte Zinssenkungen, Zuschüsse für Hypotheken und 550 Milliarden Yuan an zusätzlichem Verschuldungsspielraum für die Provinzen. Ein großes Konjunkturpaket gilt nach den neuen Zahlen als unwahrscheinlicher.

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