Die Separatisten in Westkanada haben eine herbe Niederlage erlitten. Bei der Volksabstimmung am Montag votierten in Alberta rund drei Viertel der Teilnehmer dafür, eine Provinz Kanadas zu bleiben. Nach Auszählung von knapp zwei Dritteln der Stimmen lag die Option „Verbleib“ mit gut 1,2 Millionen Stimmen weit vor dem Antrag, ein verbindliches Abspaltungsreferendum vorzubereiten, der auf etwa 387.000 kam. Kurz nach Mitternacht Ortszeit erklärten Sender wie CBC das Ergebnis für entschieden.

Angestoßen hatte die Abstimmung Premierministerin Danielle Smith, obwohl sie selbst für den Verbleib eintrat. Zuvor hatten Unabhängigkeitsbefürworter rund 300.000 Unterschriften gesammelt. Ein Gericht stoppte ihr Volksbegehren, weil indigene Gemeinschaften nicht angehört worden waren – Smith ließ trotzdem abstimmen. Die Gegenseite brachte es auf mehr als 400.000 Unterschriften für Kanada. Bei einer Kundgebung der Bewegung „Forever Canadian“ in Edmonton sprangen Anhänger in der Nacht jubelnd auf, als die ersten Hochrechnungen eintrafen.

Smith zeigte sich zufrieden und sprach von einem Votum für ein „stärkeres Alberta in einem geeinten Kanada“. Ein zweites Referendum werde es unter ihr nicht geben, hatte sie vorab zugesagt; am Dienstagabend will sie sich an die Bevölkerung wenden. Premierminister Mark Carney lobte in Ottawa eine „klare Entscheidung“.

Ganz verstummen wird die Bewegung damit nicht. Ihre Anhänger werfen der Bundesregierung vor, mit Klimaauflagen die Öl- und Gasbranche der Provinz auszubremsen. Der Anwalt Jeffrey Rath kündigte an, man mache weiter. Manche Separatisten wollen nun Smith an der Spitze der regierenden United Conservative Party ablösen, deren Basis der Abspaltung deutlich offener gegenübersteht als die Gesamtbevölkerung.

Ausgezählt werden zudem neun weitere Fragen zu Einwanderung und Verfassungsreformen; das amtliche Endergebnis folgt am 29. Oktober. Das Interesse war groß: Schon bei der vorzeitigen Stimmabgabe und per Briefwahl gaben mehr als 1,3 Millionen Menschen ihre Stimme ab. Erinnerungen an Quebec liegen nahe: Die französischsprachige Provinz scheiterte 1980 und 1995 mit ihren Unabhängigkeitsvoten.

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