Sechs Tage nach dem schwersten Regen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat Istanbul ein weiteres Todesopfer zu beklagen. Am Goldenen Horn, nahe dem Fähranleger Ayvansaray, entdeckten Rettungskräfte am Montag die Leiche eines vermissten Mannes. Damit sind nach Angaben von Gouverneur Davut Gül acht Menschen ums Leben gekommen.

Sechs von ihnen starben im Stadtgebiet. Zwei weitere verunglückten in Gebze in der Nachbarprovinz Kocaeli; die Fluten trugen sie bis nach Pendik am Südostrand der Metropole. Eine Person gilt weiterhin als vermisst, die Suche läuft.

Am 14. Oktober waren über Istanbul Wassermassen niedergegangen, wie sie seit 1942 nicht mehr gemessen wurden. Binnen Minuten verwandelten sich Straßen in reißende Bäche, Autos wurden mitgerissen. Unter den ersten Opfern war ein 14-jähriger Junge, der in einer überfluteten Pfütze einen tödlichen Stromschlag erlitt.

Die Bilanz der Schäden ist enorm. Bei den Behörden gingen rund 19.300 Meldungen ein – von undichten Dächern bis zu vollgelaufenen Kellerwohnungen. Etwa 2.000 Wohnungen und rund 900 Geschäfte sind schwer beschädigt. Im Stadtteil Ayazağa wurden einsturzgefährdete Bauten abgerissen, Bagger räumen Schutt. Auf der asiatischen Seite stand vor allem der Küstenort Şile unter Wasser, Todesopfer gab es dort nicht.

Der Staat hat begonnen, Soforthilfe auszuzahlen. 5.200 Haushalte bekamen am Freitag je 10.000 Lira, weitere 2.500 sollten am Montag folgen. Nun sollen auch die Entschädigungen für die schwer getroffenen Wohnungen und Betriebe fließen. Eingeschlossene Menschen gibt es laut Gouverneur keine mehr. Während des Unwetters hatten Einsatzkräfte rund 3.000 Menschen aus dem Wasser gerettet oder in Sicherheit gebracht. Auf der europäischen Seite der Stadt hat der Regen nach Angaben des Gouverneurs inzwischen aufgehört.

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