Steht hinter der berühmtesten Filmtrophäe der Welt ein Gott vom Nil? Diese Frage stellt der Londoner Antikenhändler Rupert Wace, der auf der Kunstmesse Frieze Masters eine kleine Bronzestatue des Ptah anbot. Der Gott der Handwerker und Baumeister wurde besonders in Memphis verehrt. Die gut 24 Zentimeter hohe Figur entstand in der 26. Dynastie, also zwischen 664 und 525 vor Christus.

Die Ähnlichkeit fällt sofort ins Auge: eine schlanke, aufrecht stehende Gestalt in eng anliegendem Gewand, die Hände vor dem Körper um einen senkrechten Stab gelegt. Die eingelegten Augen schimmern golden, auf Gewand und Zepter sind Reste von Vergoldung erhalten.

Spannend ist vor allem der Weg des Stücks. Im 19. Jahrhundert gehörte es Lord Amherst of Hackney, dessen Sammlung in Norfolk ein junger Zeichner namens Howard Carter mit katalogisierte – Jahrzehnte bevor er das Grab des Tutanchamun fand. Weil ein Vermögensverwalter die Familie um große Summen betrogen hatte, kam die Sammlung 1921 in London unter den Hammer. Ptah ging an den amerikanischen Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst.

Und Hearst kannte den Mann, der den Oscar entwarf. MGM-Chefausstatter Cedric Gibbons war häufig zu Gast auf dessen Schloss in San Simeon und stattete zahlreiche Filme mit Hearsts Lebensgefährtin Marion Davies aus. 1928 lieferte er die Vorlage für die goldene Statuette, die ein junger Bildhauer namens George Stanley für 500 Dollar modellierte.

Ein Beweis ist das freilich nicht. Gibbons starb 1960, ohne je ein Vorbild zu nennen, und die Filmakademie spricht seit Jahrzehnten von einem Ritter mit Schwert auf einer Filmrolle. Wace räumt ein, man könne den Zusammenhang nicht belegen. Für ihn ist die Hollywood-Spur ohnehin nur ein Bonus, denn auch ohne sie sei die Bronze ein herausragendes Stück. Ein Käufer fand sich schon am ersten Messetag der Schau im Londoner Regent’s Park, zu einem nicht genannten Preis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert